Der Nepp mit den Altkleidern

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213.11.08|München|11 KommentareFacebook
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In München treiben dubiose Altkleidersammler ihr Unwesen. In der Vorweihnachtszeit machen sie sich die Spendenbereitschaft vieler Menschen zu nutze.

Allein in diesem Jahr wurden 300 illegal aufgestellte Altkleider-Container in München entfernt.

© Schlaf

Allein in diesem Jahr wurden 300 illegal aufgestellte Altkleider-Container in München entfernt.

Vor Kirchen oder bei Altpapier-Sammelstellen bauen sie Container auf, werben damit, Kinder in Rumänien, Weißrussland oder Afrika mit T-Shirts, Hosen und Schuhen zu unterstützen. Doch die Bedürftigen bekommen die Spenden nie zu sehen. Vielmehr verkaufen findige Unternehmen die gebrauchten Sachen in die ganze Welt – mittlerweile steckt hinter den Altkleider-Sammlern ein Millionen schwerer Markt.

Die illegal aufgestellten Container scheinen derzeit die Stadt regelrecht zu überschwemmen. Kommunalreferentin Gabriele Friderich spricht von „dramatischen Ausmaßen“. In diesem Jahr seien bereits mehr als 300 Container von öffentlichem Grund entfernt worden. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 118. Die Hintermänner zu fassen, ist fast unmöglich. Auf den immensen Kosten für das Entfernen der Stahlbehälter bleibt die Stadt sitzen.

Für die illegalen Kleidersammler bleibt das Geschäft trotzdem lukrativ: Der Preis für eine Tonne Altkleider liegt – je nach Qualität – zwischen 300 und 1000 Euro. 1,1 Millionen Tonnen gebrauchter Kleidung werden jedes Jahr in Deutschland gesammelt. Der Markt wird auf 350 Millionen Euro jährlich geschätzt.

Im Schnitt spendet jeder Bundesbürger 16 getragene Kleidungsstücke von sich. Doch was als gute Tat beginnt, endet als knallhartes Geschäft. Markus Schildhauer, Geschäftsführer von „Chance Eine Welt“ beim katholischem Missionswerks bemängelt vor allem, dass die Spender getäuscht werden. Tatsächlich bekommen die Bedürftigen nur sehr selten die Sachen als Spende. Sehr gut erhaltene Kleider werden für viel Geld sogar in Europa weiterverkauft. Der Rest wird massenweise nach Afrika oder Osteuropa geschafft – inklusive dem Müll, der ebenfalls in den Containern landet.

Die Folgen des weltweiten Altkleiderhandels sind verheerend – vor allem für afrikanische Länder. Deutschlands gebrauchte Jacken und Hosen zerstören dort die heimische Textil- und Bekleidungsindustrie. Denn mit den Preisen für abgetragene westliche Kleidung können die afrikanischen Produkte nicht mithalten.

Wer sicher gehen will, dass seine Kleider-Spende Hilfsbedürftigen zugute kommt, kann seine Sachen zum Beispiel bei den 12 städtischen Wertstoffhöfen abgeben. Verantwortungsbewussten Umgang mit der gespendeten Kleidung garantiert auch das Logo des Dachverbands „Fairwertung“.

Markus Knall

Quelle: tz

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