Unter der Erde hat sich viel getan. Der Rohbau des Richard-Strauss-Tunnel ist fertig. Jetzt fehlt nicht mehr viel, bis im Sommer 2009 die ersten Autos durchrauschen können.

© Haag
Hier können bald Autos durchrauschen.
Doch Obacht – der Tunnel wird permanent geschwindigkeitsüberwacht werden.
In sechs Jahren Bauzeit hat sich unter der Richard-Strauss-Straße der mit 1500 Metern längste Autotunnel der Stadt entwickelt. Eine kleine Tür im Zwischengeschoss der U-Bahnstation Böhmerwaldplatz entpuppt sich als geheimer Eingang ins Reich von Johann Wittmann. Der Baustellenkoordinator im Münchner Baureferat ist zuständig für das 350-Millionen-Euro-Projekt. Jetzt öffnet der 56-Jährige eine der Fluchttüren, die alle 300 Meter in die Außenwand eingebaut sind. Man betritt den Schlund – und staunt: Hier könnten fast schon Autos fahren.
Auch die aus grau-beschichteten Blechplatten bestehende Wandverkleidung muss vielerorts noch angebracht werden. 50 Arbeiter werkeln noch im Untergrund – es waren mal bis zu 250. Bis zu sieben Firmen aus ganz Deutschland sind an dem technischen Ausbau beteiligt. Die Rohbauarbeiten, bei denen 180 000 Kubikmeter Beton gegossen, 600 000 Kubikmeter Erde bewegt und 25 000 Tonnen Stahl im Beton versenkt wurden, erledigten drei Firmen.
Richtung Süden zur Einsteinstraße gab’s den größten Termindruck. Wittmann: „Die Verkehrsverknüpfungen waren sehr kompliziert.“ Auch jetzt geht’s unterirdisch noch zur Sache – hier entstehen die Einfahrt und die Ausfahrt zum und aus Richtung Vogelweideplatz. Diese Seitentunnel schrammen zum Teil im 70-Zentimeter-Abstand an den Kellern der Eck-Gebäude entlang.
An dieser Stelle hat man auch eine von vier Betriebsstationen eingerichtet. „In jeder von denen gibt es ein Diesel-Notstromaggregat“, sagt Wittmann. Auch für den Brandfall ist man gerüstet. Unter jeder Betriebsstation gibt’s eine Pumpstation mit acht Meter tiefen Schächten. Die können bis zu 170 Kubikmeter Löschwasser aufnehmen. Im Falle eines Brandes heißt’s: Rüber in die Röhre der Gegenfahrbahn. In der Mittelwand gibt es alle 60 Meter Fluchttüren.
Übrigens verläuft der Verkehr zwischen der Einfahrt Denninger Straße und der Einsteinstraße in Richtung Süden zweispurig, in Richtung Norden dreispurig. „Das liegt daran, dass mehr Verkehr von der Passauer Autobahn kommt“, sagt Wittmann. Hier werde sich der Oberflächenverkehr von 60 000 auf 6000 Fahrzeuge pro Tag auf ein Zehntel verringern – ein Segen für die Anwohner. Die Richard-Strauss-Straße erhält bis 2010 übrigens reichlich Bäume – der Verkehr muss sich mit einer Fahrspur pro Richtung begnügen.
J. Löhr
Quelle: tz
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