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Darum ging die Alpha-Klinik pleite

Chefarzt Dr. Jürgen Toft spricht exklusiv in der tz

Darum ging die Alpha-Klinik pleite

München - Auf seinen früheren Kollegen Dr. Horst D. ist der Kniespezialist gar nicht gut zu sprechen: „Er hat mein Lebenswerk zerstört.“

Die Pleite der Alpha Klinik hat die Branche gewundert.

© dpa

Die Pleite der Alpha Klinik hat die Branche gewundert.

Verbittert sitzt Dr. Jürgen Toft (56), einer der umtriebigsten Knie-Operateure Münchens, in seinem Luxus-Büro in der ehemaligen Alphaklinik und erhebt schwere Vorwürfe: „Der Kollege hat tatsächlich zahlreiche Patienten an der Wirbelsäule operiert, obwohl diese Eingriffe medizinisch gar nicht nötig gewesen wären. Außerdem laufen zahlreiche Klagen gegen ihn, die letztlich auch zum Entzug der ärztlichen Zulassung führten. Damit hat er den Ruf unserer Klinik in den Dreck gezogen. Als das bekannt wurde, ging auch die Zahl meiner eigenen Patienten um die Hälfte zurück, obwohl die Knieabteilung von den Missständen gar nicht betroffen war.“

Als Horst D., bis Mai einer der drei Geschäftsführer der Bogenhausener Fünf-Sterne-Klinik, dann auch noch Insolvenz anmeldete, brach der Umsatz der Alpha-Klinik um weitere 25 Prozent ein. „Das war nicht mehr aufzuholen, das war das Aus der Klinik“, klagt Toft. „Wir haben noch versucht, die Klinik durch neue Investoren zu retten. Aber nicht mal Milliardär Adnan Kashoggi, dem wir vor zwei Jahren zwei neue Kniegelenke eingesetzt haben, konnte uns helfen. Ich werde den Kollegen Horst D. jetzt auf drei Millionen Euro Schadenersatz verklagen.“

Es war wie eine Klinik aus 1001 Nacht. Die dunkelbraunen Mahagoniwände blank poliert, die edlen Möbel mit cremefarbenem Kalbsleder bezogen, die dicken, flauschigen Teppiche schluckten jeden Schritt der bildhübschen Krankenschwestern.

Unter den Patienten hauptsächlich reiche Araber, noch reichere Russen, verwöhntes Klientel aus dem internationalen Jetset.

Das ist jetzt vorbei. Nach der Pleite der noblen Alphaklinik am Effnerplatz übernahm jetzt die Heidelberger Atos-Klinik das Gebäude. Klinikgründer Toft muss gehen. Sein Partner Dr. Thomas Hoogland (63) hört ganz auf und verabschiedet sich in den Ruhestand. Toft will jedoch noch fünf Jahre weitermachen. Diese Woche einigte er sich mit dem neuen Klinikchef Prof. Peter Habermeyer, dass er noch bis Ende September in der alten Alphaklinik bleiben und operieren darf. Dann ist dort endgültig Schluss für ihn.

Bereits im September will Toft eine neue Praxis direkt gegenüber in einer Villenetage eröffnen: „Das neue Kniezentrum Prof. Toft muss sich jedoch mit wesentlich weniger Platz zufrieden geben“, so der Chirurg. „Operieren werde ich dann in einer Belegklinik in Perlach. Dort bringen wir auch unsere stationären Patienten unter.“

Inzwischen sind die neuen Besitzer in der Alphaklinik eingezogen. Vergangene Woche mussten die Chauffeure erst mal die Logos und Schriftzüge der alten Alphaklinik von den Türen der klinikeigenen Limousinen entfernen.Der neue Klinikchef Prof. Peter Habermeyer gilt als einer der besten Schulterspezialisten in Deutschland. Ob seine neue Klinik jedoch wieder gut laufen wird, bleibt abzuwarten. Schließlich operiert keine 500 Meter weiter im städtischen Klinikum Bogenhausen der dortige Chefarzt Dr. Ludwig Seebauer ebenfalls Schultern und Gelenke auf allerhöchstem medizinischem Niveau.

Quelle: tz

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