München - Bei der Kleinkunstreihe Blickpunkt Spot, die jeden Montag im Schwabinger Vereinsheim läuft, kommt dem Publikum eine ganz besondere Bedeutung zu.

Hannes Ringlstetter flirtet mit dem Publikum. Auf ihren Auftritt warten Bernhard Ludwig (neben dem Klavier) und Rolf Miller im Türrahmen, über ihm hängen Bilder der alten Fußball-Nationalmannschaft.
Herr Holz war so oft da, dass ihn Hannes Ringlstetter oft in die Moderation einbaut, quasi als Faktotum. Auf die Bühne will der Stammkunde jedoch nicht. „Ich bin eher der Kulturkonsument“, verteidigt er sich. Bei der Kleinkunstreihe Blickpunkt Spot, die jeden Montag im Schwabinger Vereinsheim läuft, kommt dem Publikum eine ganz besondere Bedeutung zu.
Auf der Bühne stehen allwöchentlich sowohl Anfänger als auch Stars, die Nummern für ihr nächstes Programm ausprobieren wollen oder sich zurück an ihre Anfänge sehnen. Das Publikum macht wenig Unterschied beim Applaus, da kann ein Newcomer schon abräumen und die Profis alt aussehen lassen. Entsprechend nervös sind selbst gestandene Kabarettisten wie Rolf Miller, der vergangenen Montag vor seinem Auftritt wie im Käfig in der Wirtschaft herumtigerte. Dann macht ihm die Bühne so viel Laune, dass er am Schluss des Abends die Geschichte vom Jürgen und seiner Scheidung zwischen Wirtschaftskrise und Rassismus als Zugabe weiterspinnt.
Warum tut sich das ein Star an?
So mancher Künstler nimmt den Weg von Hamburg oder Berlin auf sich, um einmal in diesem Vereinsheim aufzutreten. An der Gage liegt es gewiss nicht, denn egal wie bekannt oder unbekannt bekommen alle eine eher nominelle Aufwandsentschädigung. Wichtig dabei ist natürlich auch das Moderatoren-Gespann, das im Wechsel und gelegentlich im Team die Gäste betreut und das Publikum bei Laune hält. Hannes Ringlstetter (selbst Kabarettist), Sven Kemmler (ebenso) und Michael Sailer (Kolumnist und ehemaliger Punkmusiker bei den Marionetz) prägen mit ihren Überleitungen und eigenen Programmpunkten, jeder auf seine eigene Weise, entscheidend die Abende, die immer anders und überraschend verlaufen. Sonst wäre Herr Holz nicht von Anfang an jeden Montag dabei.
Antonio Seidemann
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