809.06.08|München|3 Kommentare
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München - Er gehörte zu den renommiertesten Diabetes-Spezialisten der Welt: Als angesehener Chefarzt half Professor Eberhard S. (65) im städtischen Klinikum Schwabing zigtausenden Münchnern jahrelang im Kampf gegen die heimtückische Zuckerkrankheit.
Doch kurz vor dem verdienten Ruhestand hat der Professor seinen bis dahin untadeligen Ruf selbst schwer beschädigt.
Weil er ohne Genehmigung der Klinikleitung Gelder von Pharmafirmen kassiert hatte, leitete die Staatsanwaltschaft München I ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue, Betrug und Vorteilsnahme gegen ihn ein. Jetzt bekam der angesehene Mediziner die Quittung für seine Vergehen: eine Geldstrafe in fünfstelliger Höhe, mehrere Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung und die Zahlung einer sechsstelligen Summe als Bewährungsauflage.
„Den entsprechenden Strafbefehl hat der Professor akzeptiert“, bestätigt Oberstaatsanwalt Anton Winkler gegenüber der tz. Damit verzichtete der Star-Mediziner auf einen Einspruch und ersparte sich so eine öffentliche Gerichtsverhandlung. „Bei solchen Summen muss aber schon einiges vorgefallen sein“, kommentiert ein Schwabinger Chefarztkollege.
Die Vorfälle begannen schon 2005. Da durchsuchten Fahnder aufgrund der Anzeige eines Diabetikers wegen Abrechnungsbetrugs die Wohnung und die Klinik-Räume des Chefarztes, werteten Unterlagen von über 3000 Patienten aus. Angeblich hatte der Arzt Behandlungen abgerechnet, die er gar nicht selbst erbracht hatte. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren ein. Nach und nach tauchten immer mehr Vorwürfe auf. Sie führten dazu, dass Professor S. nach einer Krisensitzung der Klinikleitung zum 1. November 2006 von seinen Aufgaben freigestellt wurde. Ein Mitarbeiter: „Seit diesem Tag haben wir den Chef nicht mehr gesehen.“
Im Qualitätsbericht 2006 des städtischen Klinikums Schwabing wurde er bereits nicht mehr als Chefarzt geführt. In den offiziellen Ruhestand ging er aber erst am 1. August letzten Jahres, zwei Tage nach seinem 65. Geburtstag.
Auch wegen unerlaubter Zahlungen waren die Ermittler dem Chefarzt schon seit Längerem auf den Fersen. Oberstaatsanwalt Anton Winkler: „Das begann im Zuge der Ermittlungen wegen Verflechtungen zwischen Pharmaindustrie und Ärzten.“
Damals stellte sich beispielsweise heraus, dass der Chefarzt von verschiedenen Firmen für einen Ausflug seiner Abteilung an den Ammersee einen Betrag von 16 500 Euro kassiert haben soll. Auf Kongressreisen soll er auf Kosten von Arzneimittelfirmen auch seine Frau mitgenommen haben. Oberstaatsanwalt Anton Winkler: „Der Beschuldigte hatte sich die Zahlungen auch nicht von seiner Klinikleitung genehmigen lassen.“
Michael Timm
Quelle: tz

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