008.02.10|München|9 Kommentare
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München - Kein Geldautomat war vor ihnen sicher. Kiril D. (37) und Zoran Z. (38) manipulierten die Automaten in München, Freiburg und Baden-Baden mit gut getarnten Aufsatzgeräten und griffen so die Daten von mindestens 780 Kunden ab.

© ebu
Mit Hilfe von Vorsatzgeräten am Kartenschlitz der Geldautomaten und auf der Tastatur griffen Zoran Z. (r.) und Kiril D. die Daten von 780 Kunden ab. Mit den damit erstellten Karten-Duplikaten erbeuteten sie Millionen.
Mit Karten-Duplikaten erbeuteten sie laut Anklage mindestens 1,57 Millionen Euro! Die Rekord-Beute bisher. Die Masche ist inzwischen bekannt und bewährt: Ganze Banden, die meist aus Osteuropa stammen, greifen systematisch die Kartendaten ahnungsloser Kunden ab. An Geldautomaten vor den Kartenschlitz ein Vorsatzgerät (Skimmer) angebracht, der so gut getarnt wird, dass der Kunde dies für einen Teil des Automaten hält. Früher wurde die PIN gewöhnlich mit Hilfe einer versteckten Kamera aufgezeichnet. Da die meisten Kunden aber vorsichtig geworden sind und beim Eintippen der Nummer die Hand drüber halten, haben die Gangster ihre Methode verfeinert: Auf die Tastatur wird ein Aufsatz angebracht, der der Original-Tastatur täuschend ähnlich sieht. Auch die beiden Angeklagten Mazedonier arbeiteten mit diesem „modernen“ Equiment.
Für Angriffe in München suchten sich die Täter Geldautomaten der Reisebank, der HypoVereinsbank sowie der Stadtsparkasse aus. Mit den Kartendaten wurden von anderen Mitgliedern der Bande Duplikate hergestellt. Die gefälschten Karten wurden so lange für Abhebungen an Geldautomaten in Griechenland, Italien, Bulgarien und Mazedonien eingesetzt, bis von den betroffenen Konten nichts mehr zu holen war. Kiril D. und Zoran Z. wurden aufgrund eines internationalen Haftbefehls in Griechenland festgenommen und später ausgeliefert.
Am Montag sollte der Prozess gegen die beiden Bandenmitglieder beginnen, doch dieser platzte nach Verlesung der Anklage. Grund: Die Ganoven waren bereits in Italien und Griechenland vor Gericht gestanden. Möglicherweise waren sie wegen derselben Taten angeklagt. Das muss jetzt erst einmal geklärt werden. Denn nach europäischen Recht darf keiner wegen derselben Tat zweimal verurteilt werden. Die beiden Angeklagten warten jetzt in Stadelheim auf den Neubeginn ihres Prozesses.
Mehrere Mitglieder der Bande, die aus Italien, Bulgarien und Mazedonien stammen, können sich indessen ins Fäustchen lachen. Sie konnten bislang nicht ermittelt werden. Eines ist jetzt schon klar: Kein EC-Karten-Fälscher hat bisher größeren Schaden in München angerichtet wie Kiril D. und Zoran Z.
Eberhard Unfried
So können Sie sich schützen
Geldkarten-Betrug hat nach wie vor Hochkonjunktur. Allein im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Bundeskriminalamts mehr als 2000 Angriffe auf Geldautomaten verzeichnet. Das sind zwar weniger als 2008, der Schaden liegt aber nach wie vor bei etwa 40 Millionen Euro. Grund sind die zunehmend raffinierteren Methoden der Gauner – und oft ist auch die Unachtsamkeit der Opfer ausschlaggebend. Dabei kann man sich meist schon mit einfachen Mitteln gegen die Betrüger wehren.
Unsere Tipps: Wenn Sie Ihre Karte verlieren, kommt es auf Minuten an. Speichern Sie deshalb für den Notfall die Sperr-Nummer Ihrer Bank ins Handy ein.
Versteckte Kameras über dem PIN-Feld sind kaum zu erkennen. Deshalb bei der Eingabe der Kennnummer, das Tastenfeld immer mit der anderen Hand abdecken.
Überprüfen Sie Ihre Kontoauszüge auf Unregelmäßigkeiten oder verdächtige Abbuchungen aus dem Ausland. Heben Sie Ihr Geld bei Automaten in der Bankfiliale ab. Dort haben es die Gauner nämlich schwerer, unbemerkt zu manipulieren.

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