120.01.09|München|150 Kommentare
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Das Alkoholverbot in der U-Bahn schlägt hohe Wellen.

© Schlaf
In einigen U-Bahnhöfen wurde das Trinken von Alkohol schon per Hausordnung verboten. Die Frage ist nur, wie lange noch?
Bei SPD und Grünen mehren sich die Stimmen, die die Pläne von MVG-Chef Herbert König stoppen wollen. Obwohl die Grünen einen Antrag zum Thema Alkoholverbot gestellt haben, schafft König vollendete Tatsachen. Derzeit werden die Aushänge in den U-Bahnhöfen ausgetauscht. Und dann müssen laut Bayernpartei die Kioskbesitzer Verträge unterschreiben, die ihnen den Alkoholverkauf und das Aufstellen von Stehtischen verbieten.
Doch ob das Alkoholverbot Bestand haben wird, ist eine andere Frage. Grünen-Stadtratsfraktionsvorsitzende Lydia Dietrich beantragte noch im Dezember in einem Antrag, von dem Verbot abzusehen. Sie wies die von König vorgebrachten Gründe als „Scheinargumente“ zurück, da die Sicherheit in der U-Bahn tatsächlich hervorragend sei. Auch die Münchner Jusos, die Nachwuchsorganisation der SPD, kämpfen gegen das Alkoholverbot und fordern zu Protest-Mails gegen die Alkohol-Prohibition im Untergrund auf. Die Frage ist aber, was die SPD-Stadtratsfraktion davon hält, da ja über den Grünen-Antrag noch abgestimmt werden muss. „Die Fraktion hat sich dazu noch keine Meinung gebildet, ich aber bin skeptisch, was die Durchsetzbarkeit betrifft“, so Fraktionschef Alexander Reissl zur tz. „Ob die U-Bahnwache an einem Fußball-Spieltag in der Allianz-Arena nichts anderes zu tun hat, als Taschenkontrollen nach Bierflaschen durchzuführen, mag dahin gestellt bleiben.“ Und das Alkoholverbot in der U-Bahn schütze nicht vor Betrunkenen, die sich ihren Rausch woanders angetrunken haben. Außerdem scheint es den SPD-Stadträten sauer aufgestoßen zu sein, dass MVG-Chef König seine Parteifreunde nicht in seine Pläne eingeweiht hat. Reissl: „Mit der Fraktion wurde das nicht abgesprochen.“ Schließlich ist der SPD-Fraktionschef der Meinung: „Das Thema Alkohol in der U-Bahn ist eine Frage, die die gesamte Stadtgesellschaft zu diskutieren hat und nicht nur die Geschäftsführung der MVG.“ Sollte die SPD-Fraktion das Alkoholverbot ablehnen, gäbe es eine Mehrheit für die Rücknahme!
Unbeeindruckt davon versendet die MVG laut Bayernpartei Änderungskündigungen an die Kioskbetreiber in den U-Bahnhöfen, in denen ihnen der Alkoholverkauf verboten wird. Auch die Stehtische vor den Kiosken sollen verschwinden. Bayernpartei-Stadtrat Thomas Hummel: „Für die Kioskbetreiber würde das immense Umsatzeinbußen bedeuten, einer spricht von 6000 Euro im Monat.“ Statt den Pachtzins zu senken, höbe ihn die MVG zum Teil sogar noch an. Auch die Stehtische sollen weg. Hummel: „Die MVG-Fahrgäste trinken dort auch ihren Kaffee oder essen eine Wurstsemmel. Wo sollen die dann hin? Der Müll landet dann wahrscheinlich in der U-Bahn, in der die Müllbehälter ja schon abgeschraubt wurden.“
MVG-Sprecherin Bettina Hess erklärt: „Da ist ein Mitarbeiter bei der Formulierung der Verträge über das Ziel hinausgeschossen. Nur der Verzehr von Alkohol an den Kiosken ist nicht mehr erlaubt, die Verträge werden korrigiert.“ Der Verkauf sei weiter möglich, Und nur in einzelnen Fällen könne das Aufstellen von Tischen aus Brandschutzgründen nicht genehmigt werden.
Johannes Welte
Quelle: tz

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