München - Bislang war nur von Sanierung oder Umbau die Rede, aber dabei wird es wohl nicht bleiben, weil die Standl zu marode sind. Der Viktualienmarkt - eines der Wahrzeichen unserer Stadt -muss abgerissen werden!

Der Viktualienmarkt - eines der Wahrzeichen unserer Stadt -muss abgerissen werden
Zu dem Ergebnis kommt der TÜV in einem Gutachten, das Kommunalreferentin Gabriele Friderich am Donnerstag im Rathaus vorstellt. Darin heißt es: „Brandschutz, Arbeitsschutz, Hygiene erfordern aus Sicht des TÜV Rheinland einen Abbruch bestehender Gebäude mit Ersatz in geänderter baulicher Struktur.“ Statt frischer Früchte soll es Abrissbirnen geben.
Gebäude: Viele der 119 Geschäfte befinden sich in den ca. 70 Markthäuschen – Provisorien aus den 50ern. „Die Bausubstanz ist sichtbar gealtert.“ Mit einer Instandsetzung sei es nicht getan. Zelte, Schirme, Pavillons engten alles ein.
Technik: An der Elektrik müssten Mängel sofort beseitigt werden. Der Brandschutz sei mangelhaft, weil die Bauten zu eng beieinander liegen. Neue Häusl bräuchten Blitzableiter, Heizung und Wasser.
Versorgung: Es gibt offenbar Häusl ohne Wasseranschluss! „Eine Behelfsversorgung mit Wasser stellen die Brunnen dar.“
Sicherheit: Der Platzmangel führe zu Risiken. Probleme gäbe es beim Brandschutz in den Bauten – fehlende Löscher, Schilder oder Rettungswege in den Kellern.
Die Stadt betont: Der Viktualienmarkt sei sicher, das stellten Lebensmittelkontrolleure regelmäßig fest. Dennoch müsse etwas geschehen – bevor die EU den Markt wegen Verstößen gegen die strengen Verordnungen dichtmacht.
David Costanzo
Am Kartoffel-Stand von Rupert Maier bröckelt der Lack, die Plane an einem Obststand ist voller Stockflecken. Doch trotz des Gutachtens, dessen Ergebnisse am Dienstag auf dem Viktualienmarkt die Runde machten, sah an diesem Tag keiner der Kunden genauer hin. Die Besucher (siehe oben) sind sich mit den Standl-Betreibern einig: „Der Markt muss bleiben, wie er ist!“
Die neue Marktsprecherin Elke Fett (Duftschmankerl-Stand) stimmt mit ein: „Das ist ’ne Sauerei! Wir werden jetzt als die Ferkel hingestellt – dabei hat die Stadt nie etwas gemacht. Im Keller hat mal der Aufzug nicht funktioniert: Es hat acht Monate gedauert, bis die Stadt was getan hat. Die interessiert doch nur die Pacht.“
Warum jetzt gleich alles platt gemacht werden soll, dafür haben die Marktleute ihre eigene Erklärung: wegen Olympia! „Jetzt plötzlich machen sie was – und dann völlig übertrieben.“ Der Markt sei zwar sehr alt, sagt Rupert Maier von Uwes Kartoffel-Standl, aber bautechnisch gesehen vollkommen in Ordnung. „Bei uns ist’s sauber. Es muss doch nicht alles klinisch rein sein. Immer dieser Hygienewahn. Davon bekommt man nur Allergien …“
Einige Verkäufer sind zudem empört, dass sie vor vollendete Tatsachen gestellt worden seien. Elke Fett: „Vor einem Jahr hat Frau Friderich angekündigt, mit uns zusammenzuarbeiten. Und heute muss ich von Kunden erfahren, dass schon alles fix ist.“ Fett, die im Vorstand der Interessengemeinschaft Viktualienmarkt ist, kündigt Widerstand an: „Die werden sich noch wundern, wie stark wir zusammenhalten. Wir sind nicht gegen eine Sanierung – nur gegen eine Totsanierung.“ Sie werde gleich morgen nach der Stadtrat-Sitzung Unterschriften sammeln. „Und es gibt ja auch noch den Ensembleschutz, auf den wir uns berufen können …“
Nina Bautz
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