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Viktualienmarkt muss abgerissen werden!

TÜV: Viktualienmarkt muss abgerissen werden

München - Bislang war nur von Sanierung oder Umbau die Rede, aber dabei wird es wohl nicht bleiben, weil die Standl zu marode sind. Der Viktualienmarkt - eines der Wahrzeichen unserer Stadt -muss abgerissen werden!

Der Viktualienmarkt - eines der Wahrzeichen unserer Stadt -muss abgerissen werden

Zu dem Ergebnis kommt der TÜV in einem Gutachten, das Kommunalreferentin Gabriele Friderich am Donnerstag im Rathaus vorstellt. Darin heißt es: „Brandschutz, Arbeitsschutz, Hygiene erfordern aus Sicht des TÜV Rheinland einen Abbruch bestehender Gebäude mit Ersatz in geänderter baulicher Struktur.“ Statt frischer Früchte soll es Abrissbirnen geben.

Beim Viktualienmarkt: Stadtmauer aus dem 15. Jahrhundert entdeckt

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Zumal sich die oberste Chefin der guten Stube dem Plan anschließt. „Ein großer Teil der Standl – womöglich alle – müssen ersetzt werden“, sagt Friderich der tz. Das sei billiger und oft auch vom Bau her nicht anders möglich. Die Markthäusl bräuchten neue Keller und Einrichtung. „Das geben die alten Standl nicht her.“ Verliert der Platz sein Gesicht?
Auch Friderich hängt an ihrem guten, alten Viktualienmarkt mit seiner 200-jährigen Tradition. Darum soll der neue Markt einmal aussehen wie der alte – ohne Chrom und Glas-Frischetheken. Beschließen muss einen Abriss ohnehin der Stadtrat. Das dürfte nicht vor Ende nächsten Jahres der Fall sein, weil jetzt erst mal ein Zukunftskonzept erarbeitet werden soll.

Das ist nach der TÜV-Prüfung dringend nötig:

Gebäude: Viele der 119 Geschäfte befinden sich in den ca. 70 Markthäuschen – Provisorien aus den 50ern. „Die Bausubstanz ist sichtbar gealtert.“ Mit einer Instandsetzung sei es nicht getan. Zelte, Schirme, Pavillons engten alles ein.

Technik: An der Elektrik müssten Mängel sofort beseitigt werden. Der Brandschutz sei mangelhaft, weil die Bauten zu eng beieinander liegen. Neue Häusl bräuchten Blitzableiter, Heizung und Wasser.

Versorgung: Es gibt offenbar Häusl ohne Wasseranschluss! „Eine Behelfsversorgung mit Wasser stellen die Brunnen dar.“

Sicherheit: Der Platzmangel führe zu Risiken. Probleme gäbe es beim Brandschutz in den Bauten – fehlende Löscher, Schilder oder Rettungswege in den Kellern.

Hygiene: Akuter Handlungsbedarf! „In den Kellern, welche zur Lagerung der Lebensmittel genutzt werden, wurden Korrosionsspuren, Durchfeuchtungen und Schimmelbefall festgestellt. Dies ist sehr gesundheitsbedenklich und dringend abzustellen.“ Eine Kühlkette und Schutz vor Vögeln, Schädlingen und Spritzwasser fehlten. Toiletten müssten her und Waschbecken für alle Standln. Wo Lebensmittel verarbeitet oder Fleisch und Fisch verkauft werden, seien die Regeln noch strenger.

Die Stadt betont: Der Viktualienmarkt sei sicher, das stellten Lebensmittelkontrolleure regelmäßig fest. Dennoch müsse etwas geschehen – bevor die EU den Markt wegen Verstößen gegen die strengen Verordnungen dichtmacht.

David Costanzo

Standl-Betreiber wollen kämpfen

Am Kartoffel-Stand von Rupert Maier bröckelt der Lack, die Plane an einem Obststand ist voller Stockflecken. Doch trotz des Gutachtens, dessen Ergebnisse am Dienstag auf dem Viktualienmarkt die Runde machten, sah an diesem Tag keiner der Kunden genauer hin. Die Besucher (siehe oben) sind sich mit den Standl-Betreibern einig: „Der Markt muss bleiben, wie er ist!“

© WestermannStandl-Betreiber Rupert Maier fürchtet um den Charme des Marktes

Keiner der Standl-Betreiber hat etwas gegen nötige einzelne Sanierungen. Aber ein Total-Abriss von 200 Jahre alten Hütten, der vermutlich lange Bauarbeiten und Verdienstausfälle mit sich bringen würde? Da reagieren einige richtig wütend: „Die Stadt ist doch verantwortlich dafür, dass es heute so aussieht“, schimpft Elisabeth Sigrüner von der Fruitique. „Wir mussten bis vergangenen November warten, dass wir überhaupt eine Wasserleitung bekommen haben.“

Die neue Marktsprecherin Elke Fett (Duftschmankerl-Stand) stimmt mit ein: „Das ist ’ne Sauerei! Wir werden jetzt als die Ferkel hingestellt – dabei hat die Stadt nie etwas gemacht. Im Keller hat mal der Aufzug nicht funktioniert: Es hat acht Monate gedauert, bis die Stadt was getan hat. Die interessiert doch nur die Pacht.“

Warum jetzt gleich alles platt gemacht werden soll, dafür haben die Marktleute ihre eigene Erklärung: wegen Olympia! „Jetzt plötzlich machen sie was – und dann völlig übertrieben.“ Der Markt sei zwar sehr alt, sagt Rupert Maier von Uwes Kartoffel-Standl, aber bautechnisch gesehen vollkommen in Ordnung. „Bei uns ist’s sauber. Es muss doch nicht alles klinisch rein sein. Immer dieser Hygienewahn. Davon bekommt man nur Allergien …“

Münchens neue Postkartenserie aus der "guten alten Zeit"

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Einige Verkäufer sind zudem empört, dass sie vor vollendete Tatsachen gestellt worden seien. Elke Fett: „Vor einem Jahr hat Frau Friderich angekündigt, mit uns zusammenzuarbeiten. Und heute muss ich von Kunden erfahren, dass schon alles fix ist.“ Fett, die im Vorstand der Interessengemeinschaft Viktualienmarkt ist, kündigt Widerstand an: „Die werden sich noch wundern, wie stark wir zusammenhalten. Wir sind nicht gegen eine Sanierung – nur gegen eine Totsanierung.“ Sie werde gleich morgen nach der Stadtrat-Sitzung Unterschriften sammeln. „Und es gibt ja auch noch den Ensembleschutz, auf den wir uns berufen können …“

Nina Bautz

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