München - Gerda Gerhards feiert am 21. August „ihr“ Jahrhundert. Sie ist die älteste Patientin, die sich Implantate setzen lässt. In der tz erzählt sie aus ihrem bewegten Leben.

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Dr. Bernhard Junk mit Gerda Gerhards (99): Am 1. Juni erhält sie als älteste Patientin überhaupt vier Implantate. Ihre Lieblingsspeise ist übrigens Sauerbraten.
Gerda Gerhards klagt nicht. Stellt nüchtern, aber nicht lieblos fest, dass sie auf ihrer Station keine Ansprechpartner hat. „Die meisten Mitbewohner sind entweder dement oder taubstumm, auch das Personal ist zum Teil taubstumm. Aber ich lese viel auf der sonnigen Terrasse, schreibe Gedichte. Es gibt immer viel zu tun.“
Dabei dachte sie zuerst, sie könne keinen Nachwuchs bekommen. „Ich war 31, als es Gott sei Dank klappte. Das war zu meiner Zeit sehr alt, wie ich eher zufällig mitbekam: Nach meiner ersten Geburt sagte eine Schwester zur anderen: ,Wo musst du jetzt hin?‘ – Und sie: ,Zu der Spätgebärenden. Die ist schon 31.‘ – Und ich: ,Oh, das bin ich auch.‘ Ich bin also eine Spätgebärende“, erinnert sie sich.
Ihr Mann Rolf war die Liebe ihres Lebens. „Das gibt’s wirklich, auch wenn es selten ist“, blickt sie zurück. Sie war 25, er 27, als Amors Pfeil einen Volltreffer landete. „Wir kommen beide aus Wuppertal und lernten uns dort auch kennen. Ich war mit meinen Eltern zum Abendbrot in einer Weinstube, Rolf kam mit zwei Freunden ins Lokal. Weil er nicht tanzen konnte, schickte er einen Freund vor und wartete an der Bar. Da musste ich vorbei, als ich auf die Toilette ging. Er sprach mich auf dem Rückweg an, lud mich auf ein Glas Sekt ein. Zwei Jahre später waren wir verheiratet.“ Ralf ist 1989 gestorben.
Gerda ist gelernte Friseuse. „Ich habe meinen Beruf geliebt. Man lernt viele Menschen kennen, hört sich Geschichten an, muss sie auch mal trösten.“ Doch das ist eine andere Geschichte. „Jetzt muss ich mich auf die Socken machen.“ Zur Beiratssitzung.
Matthias Bieber
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