Garmisch-Patenkirchen - Bei einem Extrem-Berglauf auf die Zugspitze sind am Sonntag nach einem Wettersturz zwei Menschen an Erschöpfung gestorben.

© Anton Meier
Völlig erschöpft, mit den Kräften am Ende, unterkühlt: Diese Teilnehmerin kann sich nur noch mit Hilfe von Rettungskräften und eingehüllt in eine Schutzdecke voran kämpfen.
Gegen 9.15 Uhr beginnt im österreichischen Ehrwald das Rennen über die Ehrwalder Alm durch Latschen und schließlich über felsiges Gebiet hinauf zum so genannten Gatterl, dem Übergang über die Wettersteinkette. Leicht bergab führt der Weg zur 2031 Meter hoch gelegenen Knorrhütte.
Bis hierher schaffen es alle Teilnehmer. Während die letzten dieses sichere Alpenvereinshaus erreichen, rennen die Ersten bereits über das Zugspitzplatt hinauf vorbei am Sonnalpin (Endstation der Zugspitz-Zahnradbahn) über den steilen Steig zum Gipfel. Etwas über zwei Stunden benötigen die Besten für diese 16 Kilometer lange Tortur mit mehr als 2100 Höhenmetern. Eitzenberger: „Die erste Hälfte der Läufer hat das Ziel problemlos erreicht.“
Doch dann bricht das schlechte Wetter herein. Im Tal gießt es in Strömen, in über 2500 Metern Höhe geht der Regen in Schnee über. Der steile, von Schotter durchsetzte Gipfelsteig wird zum Eiertanz für die Sportler, die nicht mit Bergschuhen, sondern mit leichten und nur schwach profilierten Turnschuhen unterwegs sind. Aufgeben will dennoch keiner, ihr Ziel ist der Gipfel. Schließlich werde jeder, der das Ziel erreiche, ein Sieger sein, hatte Veranstalter Peter Krinninger verkündet.
Schon gegen 11.15 Uhr, so der leitende Notarzt Dr. Christoph Mößner, kommen die ersten Läufer am Sonnalpin von Schüttelfrost und Krämpfen geplagt an. Sie werden von den wartenden Einsatzkräften betreut, die meisten erholen sich rasch wieder.
„Ein Berglauf ist immer eine Extremsituation“, sagt Dr. Mößner. Dass einzelne Teilnehmer vor Erschöpfung zusammenbrechen können, damit habe man gerechnet. Doch plötzlich habe sich die Zahl jener, die Hilfe benötigten, dramatisch erhöht. Gegen 11.55 Uhr fordern die Helfer vor Ort dringend weitere Bergwachtkräfte mit Decken an. Mit der Zugspitzbahn kommen Helfer und Material schnell an den Einsatzort. Schließlich sind 94 Bergretter aus Garmisch-Partenkirchen und Grainau im Einsatz.
Sie werden noch alle dringend gebraucht, denn das Wetter verschlimmert sich von Minute zu Minute. Gegen 12.30 Uhr beschließt der Veranstalter endlich, das Ziel zum Sonnalpin zurückzuverlegen, also die letzte und gefährlichste Etappe zum Gipfel auszulassen. Eine Entscheidung, die für zwei Männer zu spät kommt: Der 41-jährige Uwe M. aus Witten in Nordrhein-Westfalen bricht unweit des Schneefernerhauses (2650 Meter) zusammen, der 45-jährige Hans P. aus Ellwangen (Baden-Württemberg) schafft es noch bis zum Gipfelgrat auf fast 2900 Meter Höhe. Nur etwa 15 Gehminuten von der rettenden Bergstation entfernt bricht auch er bewusstlos zusammen.
Zwei bis drei Stunden lang, so Dr. Mößner, habe man versucht, die beiden auf dem Gipfelweg zusammengebrochenen Sporter zu retten: „Wir haben verzweifelt reanimiert, leider ohne Erfolg.“
Mitarbeiter der Zugspitzbahn öffnen unterdessen alle Räumlichkeiten der Liftanlagen und vom Sonnalpin. Sie heizen ein, versorgen die Leute mit warmen Getränken. Sie schaffen alles herbei, um die unterkühlten Menschen wieder auf Normaltemperatur zu bringen: Rettungsfolien, Wolldecken, sogar Tischdecken.
Auch auf dem Platt unterhalb des Sonnalpin kämpfen die Bergwachtler unterdessen verzweifelt um das Leben von vielen Patienten, die es nicht mehr bis zum Sonnalpin schafften. Sechs Patienten müssen, da keine Helikopter fliegen können, auf Tragen zum Sonnalpin geschleppt werden, wo sie nach ärztlicher Versorgung mit der Zugspitzbahn ins Tal gebracht werden: eine 58-jährige Frau aus Garmisch-Partenkirchen sowie fünf Männer im Alter von 27 bis 72 Jahren aus ganz Deutschland. Fünf von ihnen liegen am Abend noch auf der Intensivstation des Krankenhauses von Garmisch. Ihre Körpertemperatur war auf kritische 33 Grad gesunken! Ihr Zustand sei inzwischen stabil, hieß es am Abend.
Strafrechtliche Folgen wird das Drama wohl keine haben. Klaus Schürgers, Sprecher der Polizeidirektion Weilheim: „Nach jetzigem Erkenntnisstand wird nicht gegen dritte Personen ermittelt.“
Quelle: tz
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