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Vater jagt Dreijährigen im Schnee durchs Gebirge

Vater jagt Dreijährigen im Schnee durchs Gebirge

Isarwinkel - Ein 30 Jahre alter Münchner hat seinen gerade mal dreijährigen Sohn zwecks Abhärtung bei einer Gewalttour durchs Gebirge gejagt. Fast wäre im Schnee daraus eine Tragödie geworden. 

Es war schon seit Stunden dunkel. Auf dem fast 1600 Meter hohen Fockenstein, der den Tegernsee vom Isarwinkel trennt, wurde es klirrend kalt. Zu kalt für einen Münchner (30) – und erst recht viel zu kalt für seinen gerade mal dreijährigen Sohn, der mit dem Herrn Papa zwecks Abhärtung eine Gewalttour hatte unternehmen müssen. Dass daraus keine Tragödie wurde, ist vor allem der Lenggrieser Bergwacht zu verdanken, die die beiden noch rechtzeitig vom Gipfelbereich rettete. Jetzt wird laut Tölzer Kurier gegen den Vater ermittelt.

Die beiden waren am 17. Januar gegen Mittag zu der Wahnsinnstour aufgebrochen, eine Tour, die Erwachsene im Sommer in fünf Stunden absolvieren können. Natürlich lag nun aber überall tiefer Schnee. Der Knirps musste da durchstapfen – bekleidet mit Winterstiefeln, Cordhose und Anorak. Der Vater selbst hatte sich mit Trappermantel und Tarnhose auf den harten Außeneinsatz vorbereitet – aber er hatte keinen Rucksack dabei, in dem sich eine Taschenlampe oder Wechselwäsche hätten verstauen lassen. Eine Kraxe, in der sich der Bub hätte ausruhen können, fehlte ganz. Und: „Der Mann ist vor der Tour gewarnt worden“, erinnert sich Sepp Bergmayr, Bereitschaftsleiter der Lenggrieser Bergwacht.

Zwei Stunden nach Einbruch der Dunkelheit wurde dem Münchner klar, dass er es nicht mehr gefahrlos ins Tal schaffen würde. Zumal er kein Licht dabei hatte und er deswegen bereits die Orientierung verloren hatte. Immerhin alarmierte der Vater jetzt die Bergwacht und wies den Rettern mit Kamerablitzen den Weg. Als die Retter etwa eine Stunde nach der Alarmierung eintrafen, herrschte auf dem Fockenstein eine Temperatur von acht Grad minus, der Wind heulte in Sturmstärke. Trotz dieser Umstände wirkte der Münchner „eher beratungsresistent“ auf die Retter. Diese kümmerten sich sofort um den Kleinen, der Erfrierungen ersten Grades erlitten hatte. Der Bub war tapfer, er kam trotzdem vom Berg weg ins Harlachinger Krankenhaus . Dem Papa wurden wegen seines Leichtsinns Vorhaltungen gemacht. Der Münchner sah aber keine Ansatz für Kritik, schließlich sei sein Sohn „abgehärtet“, der Bub werde täglich kalt abgebraust!

Der Bergwachtschef Bergmayr zum Tölzer Kurier: „Wir haben alle da nur noch mit dem Kopf geschüttelt, der Bub hat uns so leid getan.“ Der Vater, der angeblich kein Sorgerecht haben soll, muss jetzt mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Laut Polizei läuft ein Ermittlungsverfahren wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Auch das Jugendamt wurde informiert.

tz

Rubriklistenbild: © dpa

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