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Untersberg: Abstieg ins Ungewisse

5-Tages-Tour durch Höhlen und Canyons: Team erreicht erstmals Boden des Untersbergs

Untersberg: Abstieg ins Ungewisse

Fünf Tage Dunkelheit um sich. Fünf Tage, in denen nur Stirnlampen den Weg weisen, der mittendrin plötzlich abbricht und Canyons freigibt, die bodenlos erscheinen.

Der Untersberg im Berchtesgadener Land (r.): Erst Mitte Juni ereignete sich hier eine wundersame Rettung. Eine US-Amerikanerin hatte sich verlaufen und wurde nach drei Tagen gefunden

© dpa

Der Untersberg im Berchtesgadener Land (r.): Erst Mitte Juni ereignete sich hier eine wundersame Rettung. Eine US-Amerikanerin hatte sich verlaufen und wurde nach drei Tagen gefunden

Das ist der Weg durch den Untersberg (1973 Meter) im Berchtesgadener Land, Bayerns geheimnisvollsten Berg (siehe unten). Erstmals ist es einer bayerisch-schwäbischen Expedition gelungen, innerhalb des Berges vom Eingang in 1879 Metern Höhe über einen Kilometer abzusteigen. Exakt schafften die fünf Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft für Höhlenforschung Bad Cannstatt 1056 Meter Tiefe bis an den Rand der Riesending-Schachthöhle.

So weit war in Deutschland überhaupt noch nie jemand in einer Höhle abgestiegen. Bärbel Vogel, die Vorsitzende des Verbands der deutschen Höhlen- und Karstforscher, wertete dies als „Sensation“. Sie sprach von einer „klettertechnischen Meisterleistung“.

Dass dies überhaupt möglich wurde, erklärt Dr. Ulrich Meyer von der Arge Bad Cannstadt: „Das Team konnte einen sehr engen Gangteil am bisherigen Höhlenende überwinden.“

Dabei entdeckte die Expedition auch 800 Meter neue Gänge, die vermessen wurden. Es fand sich auch in 930 Metern Tiefe ein See, der nur mit dem Schlauchboot gequert werden konnte. Der See liegt etwa auf der gleichen Höhe des Weilers Ettenberg. „Wenn es einen Ausstieg geben würde, hätten wir gleich direkt rausgehen können und beim Wirt Brotzeit machen“, sagt Expeditonsteilnehmer Thomas Matthalm (32), Leider gibt es diesen Ausgang nicht im Riesending, der gewaltigen Höhle, die durch die Kalklösende Kraft des Wassers entstand, deren Klüfte und Hohlräume seit Jahrhunderten die Fantasie der Menschen beschäftigten. Zu Recht? Matthalm: „Wir Höhlenforscher machen ja auch unsere Witze darüber, schauen zum Spaß nach Schwertern oder ähnlichem, oder nach Kaiser Barbarossa, selbst…“Vielleicht findet sich ja doch noch etwas in den insgesamt sogar 60 Höhlen des Untersbergs, das die Mythen erhärtet. Denn zumindest das Ende der Riesendinghöhle scheint nicht erreicht. „Es könnte 150 Meter tiefer gehen“, denkt Höhlenforscher Matthalm. Und theoretisch liegt das Ende der Höhle vier Kilometern weiter, in der Fürstenbrunner Quellhöhle. Eine weitere Expedition ist bereits geplant …

Die Mythen des Untersbergs

Er ist geheimnisvoll und sagenumwoben: Der Untersberg – vom Dalai Lama als „schlafender Drache“ bezeichnet. Die Mythen ranken sich um Zeitportale, verschollene Menschen und wundersame Bergbewohner wie Zwerge. So haben letztere einer Sage nach die über 400 Höhlen in den Untersberg gegraben. Doch das ist nur eine der vielen Spekulationen um den Berg.

So munkelt man, dass Kaiser Karl der Große (ähnliches behauptet man auch von Friedrich Barbarossa) mit seinen getreuen Rittern und Zwergen seit mehr als tausend Jahren im Berg in einem unterirdischen Thronsaal schläft. Er erwacht zu einer letzten Schlacht zwischen Gut und Böse, wenn sein Bart drei mal um seinen Marmortisch gewachsen ist und die Raben nicht mehr um die Gipfel fliegen.

n Viele Sagen handeln vom Verschwinden. So soll einst ein verschollener Jäger ein Jahr nach seinem Verschwinden zu seinem eigenen Trauergottesdienst plötzlich wieder aufgetaucht sein. Einem anderen Mythos zufolge verschwand einmal eine ganze Hochzeitsgesellschaft mitsamt Musikkapelle für 100 Jahre im Untersberg.

n Die wohl mysteriöseste Geschichte aus neuerer Zeit begann am 14. August des Jahres 1987: An diesem Tag war das Münchner Ehepaar Hermann und Maria F. mit ihrer Freundin Monika K. zu einer Bergtour am Untersberg aufgebrochen. Nach diesem Tag war das Trio spurlos verschwunden, wurde für tot gehalten. Drei Monate später, Mitte November, meldeten sich die Verschollenen dann plötzlich per Telefon von einem Schiff aus dem Roten Meer.

Quelle: tz

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