Tschechien plant Atommüll-Endlager an Bayerns Grenze

Atomschock im Dreiländereck

Tschechien plant Atommüll-Endlager an Bayerns Grenze

231.05.09|Bayern|14 Kommentare
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Prag - Schock für Niederbayern und Österreich! Die tschechische Regierung plant im Dreiländer-Eck ein Atommüll-Endlager – nur 40 Kilometer von Bayern entfernt!

Asse

© dpa

Ein Radlader kippt Atom-Müllfässer in die Schachtanlage Asse. Lagern solche Fässer bald auch in der Nähe Bayerns?

Einen Truppenübungsplatz etwa 40 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt hat man sich in Prag als möglichen Standort ausgeguckt. In Hornó Planá (Oberplan) in der Nähe von Krumau will Tschechien seinen Strahlen-Müll loswerden. Das Ergebnis der geologischen Untersuchungen soll nach den Plänen Prags bis 2025 vorliegen – bis 2065 könnte das Lager dann in Betrieb gehen.

Die tz sprach über das Lager mit dem CSU-Niederbayern-Chef Manfred Weber.

Herr Weber, Tschechien plant ein Atommüll-Endlager. In der näheren Auswahl stehen auch zwei Orte nahe der Grenze zu Bayern. Warum stört Sie das?

Manfred Weber: Zunächst bin ich enttäuscht, davon über die Medien zu erfahren. Es gehört zu einer guten Nachbarschaft, bei so einem wichtigen Projekt auch die Nachbarn zu informieren. Ich fordere als erstes, dass europäisches Umweltverträglichkeitsrecht angewandt wird. Es kann – allein aufgrund der Grenznähe – nicht sein, dass das eine rein nationale Entscheidung der Tschechischen Republik ist. Die Nachbarn müssen mit am Tisch sitzen und an der Entscheidung beteiligt werden. Ich erwarte von Umweltminister Gabriel, dass er sich mit seinem tschechischen Kollegen in Verbindung setzt, denn die Angelegenheit betrifft beide Staaten.

Geht es Ihnen nur um Formalia oder auch um das Endlager an sich?

Weber: Um beides. Ich will Beteiligung. Und ich will klarstellen, dass es keinen schlechteren Ort für ein Atommüllendlager gibt als das Naturschutzgebiet Bayerischer Wald/Sumava. Auf bayerischer wie auf tschechischer und österreichischer Seite tun wir alles, damit wir diesen Raum als Tourismus- und Naturschutzraum erhalten und etablieren. Lifte darf man dort nicht bauen, aber offenbar Endlager. Auf tschechischer Seite würde ich mir da mehr Sensibilität wünschen.

Kann man einerseits mögliche Endlagerstätten nahe der eigenen Grenzen von Nachbarländern verurteilen und andererseits eigene an den Bundesgrenzen befürworten?

Weber: Wenn man Müll produziert, muss man Müll entsorgen. Es ist die Aufgabe der Wissenschaft, die besten Standorte zu finden. Für Deutschland ist die Entscheidung auf Gorleben gefallen. Für ein tschechisches Endlager gibt es aber keinen schlechteren Ort als das grüne Dach Europas.

Ist Protest nicht problematisch, wenn man Atomenergie grundsätzlich befürwortet?

Weber: Der ist absolut legitim. Ich bin als CSU-Niederbayern-Chef in der Verantwortung, die Region zu vertreten. Für die Region ist eine Realisierung der Pläne schon allein aus Naturschutzgründen nicht akzeptabel. Für Endlager gibt es weit geeignetere Standorte.

Ein Anlass, über Atomenergie noch einmal nachzudenken, ist das aber nicht?

Weber: Jede Technologie hat ihre spezifischen Herausforderungen. Für mich ist die zentrale Frage, wie wir mit der Endlagerdiskussion umgehen. Da haben wir eine klare Position für Gorleben. Warum gibt es keine gesamteuropäische Initiative für dieses gesamt-europäische Problem? Weber: Wir brauchen in der Energiepolitik mehr gemeinsame Ansätze, die übrigens mit dem Vertrag von Lissabon kommen. Wir brauchen Mindestsicherheitsstandards für Kernkraftwerke auf europäischer Ebene, die dann durch die EU auch vollzogen werden. In diesem Bereich brauchen wir eher mehr Europa als weniger.

Interview: Michael Brommer

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