105.09.10|Bayern|9 Kommentare
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Berlin/Bangkok - Seit zehn Monaten liegt Matthias Stefan Koch (39) aus Bamberg auf der Intensivstation in Thailand im Koma – die tz begab sich auf Spurensuche.

© dpa
Seit Oktober 2009 liegt Matthias Koch in einem thailändischen Krankenhaus im Koma
Es ist ein rätselhafter Fall, der die Behörden in Berlin und Bangkok derzeit in Atem hält: Seit zehn Monaten liegt Matthias Stefan Koch (39) aus Bamberg auf der Intensivstation im thailändischen Hat Yai im Koma – doch angeblich kümmert sich keiner seiner deutschen Verwandten um ihn.
Die tz begab sich auf Spurensuche in Kochs fränkischer Heimat: Wer ist eigentlich der Mann, der sich bei einem mysteriösen Unfall auf dem Flughafen der südthailändischen Metropole (etwa 700 Kilometer von Bangkok entfernt) den Schädel einschlug? Und der nun nicht nach Hause geholt werden kann, weil das Geld für den Rücktransport fehlt? Seine Passnummer 9117052289 führt ins beschauliche Städtchen Ebelsbach (Kreis Hassberge), nahe des Main-Donau-Kanals. Hier, wo die Hänge voller Weinreben stehen und Schubverbände Richtung Balkan steuern, wurde Kochs Pass ausgestellt – und hier wuchs der in Scheßlitz (Landkreis Bamberg) geborene Mann auf.
In der Friedensstraße erinnert man sich gut an den kauzigen Typ, der in einem großen Haus mit seiner Mutter Gerlinde und seinem Halbbruder Christopher lebte. „Er war oft im Wald und ernährte sich von dem, was er dort fand“, sagt eine Nachbarin. Er soll Heuschrecken gegessen, sich vom Jäger frische Leber liefern lassen haben – „weil die so gut schmeckt wie Schokolade“, soll er erklärt haben.
„Ganz echt war er schon damals nicht“, sagen seine Bekannten augenzwinkernd. Als seine Mutter, die als Zivilangestellte bei der US Army arbeitete, 2006 an Krebs starb, verkauften er und sein Halbbruder das Haus. Was er jetzt machen wolle, wurde Matthias damals von Freunden gefragt: „Ich bau mir ein Boot und verschwinde dann“, soll Koch geantwortet haben.Doch zuvor meldete er sich nach Bamberg ab. Er zog bei seiner Großmutter ein – sie sollte ihm die verstorbene Mutter ersetzen, die er schmerzlich vermisste.
Im Sommer 2008 verliert sich in der oberfränkischen Domstadt, wo Koch auch das Gymnasium besucht hatte und zeitweise ein Elektronikgeschäft führte, seine Spur. Ende Oktober 2009 taucht er auf dem Flughafen von Hat Yai wieder auf. Sein Ticket nach Bangkok ist für den folgenden Tag ausgestellt; doch als man ihn bittet, erst zum Einchecken wiederzukommen, springt er angeblich von einer Treppe in die Abflughalle – und verletzt sich schwer.
Schon wenige Tage nach dem Unfall setzt sich die Polizei mit Kochs Oma und seiner Tante in Eltmann in Verbindung. Seitdem mahlen die Mühlen der Behörden, um Matthias Koch wieder in seine Heimat zu bringen. Die Familie hat kein Geld, ärgert sich aber andererseits auch über das zögerliche Vorgehen der deutschen Botschaft in Thailand.
Vor einem Monat nun wurde vom Amtsgericht Bamberg eine Betreuerin für den geschäftsunfähigen Matthias Koch bestellt – und nun kommt auch Bewegung in seinen Fall: Der von Medizinern begleitete Rückflug nach Frankfurt wird geplant, die Stadt Bamberg hat überdies ein Spendenkonto für ihren Bürger eingerichtet („Hilfe für Matthias Koch“; Stadt Bamberg, Kontonr. 18, Sparkasse Bamberg, BLZ 77050000).
Dennoch bleiben die Umstände des Unfalls von Koch seltsam: Als er gefunden wurde, hatte er riesige Schnitte am Hals. Wie es dazu kam, weiß keiner. Bisher konnte Matthias Koch nicht befragt werden.
tz

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