030.05.08|Bayern|
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Augsburg - Fast 27 lange Jahre lang trug er dieses schreckliche Geheimnis mit sich herum. Doch als die Polizei ihn am Mittwoch in seinem umgebauten Fischer-Schuppen verhaftete, zeigte der Mann im roten Mechaniker-Overall nicht die geringste Regung.

© Polizei
Ursula Herrmann erstickte qualvoll in einer Kiste.
Obwohl Werner M. (58) da bereits bewusst geworden sein muss, dass es vorbei ist. Dass nun alle Deutschen erfahren, was für ein Ungeheuer in Menschengestalt sich jahrzehntelang unter ihnen verbarg: Im Hafen des Fischerstädtchens Kappeln (Schleswig-Holstein) endete die Flucht des Mannes, der vor 27 Jahren in Eching am Ammersee die kleine Ursula Herrmann (10) entführte und in einer im Waldboden vergrabenen Kiste einsperrte. Zur Lösegeldübergabe kam es nicht mehr. Denn das Kind erstickte in seinem grausigen Verlies. Ein altes Grundig-Tonbandgerät, das die Ermittler in Werner M.’s Behausung fanden, wurde ihm nun zum Verhängnis. Wegen erpresserischen Menschenraubs – der Strafrahmen liegt bei mindestens zehn Jahren bis zu lebenslanger Haft – sitzt er bereits in der JVA Augsburg.
Geschickt hatte sich Werner M. viele Jahre lang der Polizei immer wieder entzogen, obwohl er von Anfang an zum Kreise der Hauptverdächtigen zählte. Doch erst im Oktober letzten Jahres gelang den Ermittlern mit Hilfe eines Tricks der Durchbruch. Sie baten Werner M., der im Hafen von Kappeln einen Laden für Yacht- und Bootszubehör betrieb, um eine Speichelprobe. Werner M. stimmte zu. Was er da noch nicht wusste: Die Ermittler hatten außer dem Wattestäbchen auch noch einen Durchsuchungsbefehl dabei! In der Wohnung des 58-Jährigen über seinem Laden fanden sie das alte Tonbandgerät. Von diesem vorsintflutlichen Modell wurden 1981 offensichtlich die neun Erpresseranrufe an Ursulas Eltern abgespielt. Auf ebenfalls sichergestellten Bändern war auch die Melodie des Bayerischen Rundfunks. Diese Melodie hatte der Erpresser mehrfach am Telefon abgespielt. Die Telefon-Aufzeichnungen wurden im Sachgebiet Phonetik des Münchner Landeskriminalamtes mit dem sichergestellten Tonbandgerät verglichen.
Mittlerweile war auch Werner M.’s offensichtlich abgesprochenes Alibi geplatzt, das ihm zwei Freunde und eine Frau gegeben hatten. Es besteht der dringende Verdacht, dass weitere Personen an der Entführung des Kindes beteiligt, zumindest aber Mitwisser waren. Dazu dauern die Ermittlungen nach Auskunft des Leitenden Oberstaatsanwaltes Reinhard Nemetz in Augsburg an. Ein fünfter Tatverdächtiger ist mittlerweile gestorben. Werner M.’s damalige, geschiedene Ehefrau hatte als Haushaltshilfe bei Familie Herrmann gearbeitet.
Ein weiteres starkes Indiz sind auch Werner M.’s widersprüchliche Angaben. Obwohl er nur 250 Meter weit vom Haus der Familie Herrmann entfernt wohnte und selbst eine zehnjährige Tochter hatte, bestritt er, die Familie Herrmann zu kennen. Die Kinder jedoch kannten sich. Auf die Frage, ob er je ein Fernglas besessen habe, reagierte er unverhältnismäßig erregt.
Dem Täter bescheinigte Nemetz „große Coolness“. Denn der sitzt in der JVA Augsburg und sagt: „Ich war’s nicht!“
Eduard Zimmermann: "Ich freue mich sehr!"
Der Fall Ursula Herrmann – für Eduard Zimmermann (79) ist es der Fall seines Lebens. Der TV-Fahnder hatte erstmals am 1. Oktober 1982 in der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY einen Film gezeigt, der zu Hinweisen in dem schockierenden Mordfall führen sollte. Der Münchner schilderte damals, wie ihn der Fall „völlig aus dem psychischen Gleichgewicht gebracht“ habe. Deshalb versprach Zimmermann der kleinen Ursula: „Wir werden den Kerl finden.“ 2005 brachte Zimmermann den Fall in seinem Buch und in der XY-Sendung noch einmal an die Öffentlichkeit – doch vergeblich. Umso glücklicher macht ihn nun die Festnahme des Täters. Zimmermann, der an Demenz leidet, befindet sich zurzeit in einer Münchner Klinik und kann selbst keine Interviews geben. Doch er ließ der tz ausrichten: „Das ist eine wirklich gute Nachricht. Ich freue mich sehr.“
Quelle: tz

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