029.01.09|Bayern|11 Kommentare
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Krisengespräch bei Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU)! Die Milliardärin Maria-
Die Schaeffler-
Die tz sprach mit dem Wirtschaftswissenschaftler Justus Haucap darüber, ob sich der Staat bei Unternehmen engagieren sollte.
Professor Justus Haucap, Wirtschaftsprofessor der Universität Erlangen-
Würde der Staat so den freien Wettbewerb behindern?
Haucap:Das kommt noch hinzu. Es wäre ja kaum zu rechtfertigen, ein Unternehmen zu retten und das nächste nicht. Ob ein Unternehmen ein tragfähiges Geschäftsmodell hat, kann nur der Markt, also die Kunden, entscheiden. Für den Staat ist diese Aufgabe zu groß.
Bei Schaeffler und Conti arbeiten immerhin rund 200 000 Menschen. Kann die Politik das ignorieren?
Haucap:Die Frage ist doch, ob die Arbeitsplätze wirklich verloren gehen würden. Die zwei Unternehmen haben sich aus strategischen Gründen zusammengeschlossen und sind eigentlich gut aufgestellt. Daher wäre es wahrscheinlich, dass jemand anders diese Unternehmen zu einem günstigen Preis kaufen würde und weiter produziert. Von einem Bankrott wäre also hauptsächlich die Familie Schaeffler betroffen – volkswirtschaftlich gesehen ist das jedoch irrelevant und rechtfertigt kein Eingreifen des Steuerzahlers.
Außerdem gehen auch in guten Zeiten Unternehmen bankrott…
Haucap:Genau. Es wäre ja geradezu absurd, wenn wir die größte Wirtschaftskrise seit dem zweiten Weltkrieg erleben und kein Unternehmen bankrott geht.
Bei der Commerzbank war der Staat spendabler. Was ist der Unterschied zwischen Banken und Industrie-
Haucap:Die Problematik ist völlig anders gelagert. Wenn eine Bank bankrott geht, besteht die Gefahr, dass die Kunden das Vertrauen in das Bankensystem verlieren und das ganze Finanzsystem zum Erliegen kommt. Wenn es keine Produkte der Schaeffler-
Nimmt der Staat mit seinen Konjunkturpaketen zuviel Einfluss auf die Wirtschaft?
Haucap:Die Gefahr droht. Sicherlich sind Konjunkturpakete und staatliches Eingreifen in der Finanzkrise notwendig. Einige Dinge gehen aber zu weit. Wenn man Unternehmen der Realwirtschaft über Bürgschaften helfen will, kann man diesen Weg mit Bauchschmerzen gehen. Der Staat sollte sein Engagement zeitlich begrenzen. Und in gar keinem Fall sollte der Staat sich an Unternehmen beteiligen. Denn dann trägt der Steuerzahler das Risiko und nicht ein privater Anleger.
Besteht nicht ohnehin die Gefahr, dass der Staat sich übernimmt?
Haucap:Ja, das sieht man ja schon in Großbritannien, wo der Staatsbankrott droht. Wir haben das Glück, dass unsere Staatsfinanzen auf einem guten Weg waren. Die jetzige Neuverschuldung engt jedenfalls die politischen Gestaltungsspielräumen in der Zukunft empfindlich ein.?Interview:
Marc Kniepkamp
Quelle: tz