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Niemand plattelt für „Keiner geht verloren“

Niemand plattelt für „Keiner geht verloren“

Mittenwald - Klaus Ronge kennt seine Pappenheimer. „Wenn die nein sagen, dann stehen die auch dazu“, sagt Mittenwalds Tourismus-direktor und zielt dabei auf den örtlichen Gebirgstrachtenverein ab.

© dpa

Für Volksdümmliches nicht zu haben: Ernsthafte Trachtler.

Dessen Schuhplattler sollten in dem namhaft besetzten Streifen „Keiner geht verloren“, der von 11. bis 28. August auch unterm Karwendel gedreht wird, eine wichtige Rolle spielen. Doch aus der für die Filmcrew bedeutenden Tanzszene bei Sonnenschein auf der Gröblalm wird nichts. „Wir machen nicht mit“, stellt Vorsitzender Johann Schober junior klar.

Grund: Allzu oft flimmere seichte Kost über die Mattscheibe, die mit dem Etikett „Bayerisches Brauchtum“ versehen sei. Schober nennt bei diesen „niveaulosen Heimatserien“ auch Ross und Reiter, etwa die Mundart-Seifenoper „Dahoam is dahoam“. Pikanterweise spielt Hermann Giefer darin eine Hauptrolle – und der ist Mittenwalder. Rückendeckung erhält Schober von seinem Garmischer Kollegen Peppi Karg. Er wurde von Bettina Götz angesprochen: Sie ist für die Produktionsfirma „Claussen & Wöbke & Putz“ tätig, die vom Bayerischen Rundfunk beauftragt wurde.

 Götz wollte wissen, ob die Garmischer Plattler nicht einspringen könnten. Aber da kamen sie bei Karg an den Richtigen: „In Mittenwald tanzen Mittenwalder.“ Das ist in Trachtlerkreisen ungeschriebenes Gesetz. Karg spricht von einem „Ehrenkodex“. „Hut ab und recht so“, findet Georg Mangold , Chef der 8500 Mitglieder starken Oberländer Trachtenvereinigung. Er könne den Ärger über „volksdümmliche Sendungen“, in denen allzu oft bayerische Seppl-Klischees überstrapaziert würden, nur nachvollziehen. Der Film soll laut Götz 20 Jahre nach dem Mauerfall die deutsch-deutsche Wiedervereinigung in einem „sehr modernen Heimatfilm“ thematisieren, unter anderem im Werdenfelser Land und mit Tatort-Kommissarin Eva Mattes in der Hauptrolle.

„Bisher sieht’s sehr schlecht aus“, räumt Götz im Hinblick auf die Komparsensuche ein. Auf das Isartal bezogen heißt das: Der Streifen „Keiner geht verloren“ müsste momentan „Keiner macht mit“ heißen. Das aber wollen die Filmleute unter allen Umständen verhindern. Deshalb steigt am Mittwochabend von 18 bis 21 Uhr im Mittenwalder Produktionsbüro (Wasserwiese 1) ein Casting. Denn auch bei männlichen Statisten zwischen 30 und 45 gestaltet sich die Suche eher schleppend...

Christof Schnürer

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