Mann (57) taucht mit Gewehr im Krankenhaus auf

Mann (57) taucht mit Gewehr im Krankenhaus auf

011.03.10|Bayern|4 KommentareFacebook
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Agatharied - Die Geistesgegenwart eines jungen Assistenzarztes hat möglicherweise ein Blutbad im Krankenhaus Agatharied verhindert.

Er entriss einem 57-jährigen Mann das Jagdgewehr, mit dem dieser kurz vor Mitternacht die Klinik betreten hatte, um angeblich jemanden zu besuchen.

Bereits die Nachtpförtnerin in der Notaufnahme hatte Verdacht geschöpft, als der Besucher am Mittwoch gegen 23.30 Uhr auftauchte und sein ungewöhnliches Anliegen vorbrachte. Sie ließ ihn nicht passieren und hat Kontakt mit der Station aufgenommen, auf die der Mann angeblich wollte. Während dieses Telefonats kam ein diensthabender Arzt zufällig an der Pforte vorbei und bemerkte, dass aus dem Schlafsack, den der 57-Jährige dabei hatte, ein Gewehrlauf blitzte. Er forderte den Besucher auf, ihm sofort das Gewehr auszuhändigen. Als dieser die Bereitschaft dazu vermissen ließ, fackelte der Medizinier nicht lange und entriss ihm die Waffe, wobei es zu einem Handgemenge gekommen sein dürfte. Die Pförtnerin hatte zwischenzeitlich die Polizei alarmiert, die rasch vor Ort war und den 57-Jährigen festnahm. Bis zum Eintreffen der Beamten hielten der Mediziner und weitere Mitarbeiter der Notaufnahme, die zwischenzeitlich das Geschehen mitbekommen hatten, den aus dem Landkreis Miesbach stammenden Mann fest. Weitere Einzelheiten zum genauen Ablauf gaben weder die Polizei, noch die Klinikleitung bekannt.

Dr. Uwe Zöllner, der medizinische Geschäftsführer des Krankenhauses, zeigte sich allerdings ob des glimpflichen Ausgangs des Zwischenfalls erleichtert und voll des Lobes für das umsichtige Vorgehen seines Personals. Der Arzt, der jung und „extrem sportlich“ sei, habe „absolut perfekt“ gehandelt. Nach dem Zwischenfall versah er übrigens seinen Nachtdienst weiter, und auch am gestrigen Donnerstag ist der Mediziner wieder pünktlich zur Nachtschicht angetreten. Ein Angebot der Geschäftsleitung, vorübergehend vom Dienst befreit zu werden, nahm der Krankenhaus-Mitarbeiter laut Zöllner nicht an. Drei Tage Sonderurlaub hat ihm der Geschäftsführer für sein umsichtiges Handeln gewährt, auch der Pfortenkraft will er noch ausdrücklich für ihr besonnenes Vorgehen danken. „Meine Mitarbeiter haben sich wirklich klug, beherzt und verantwortungsbewusst verhalten“, betont der Geschäftsführer.

Was das Motiv des Mannes betrifft, haben sich Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag sehr bedeckt gehalten. „Da kommt ein breites Spektrum an Möglichkeiten infrage, die wir überprüfen müssen“, sagt Konrad Rutzinger von der Pressestelle des zuständigen Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. So ist zum Beispiel offen, ob der 57-Jährige eine Bezugsperson im Krankenhaus besuchen wollte und für die eine konkrete Gefahr bestanden hat. Die Gerüchteküche im Krankenhaus brodelt jedenfalls. So machte am Donnerstag auch die nicht bestätigte Information die Runde, Zweifel am Geisteszustand des nächtlichen Besuchers seien erlaubt.

Rutzinger gab lediglich bekannt, dass im Zusammenhang mit dem Zwischenfall in Agatharied mehrere Wohnungen durchsucht worden sind. Die Waffe und dazugehörige Munition, die der 57-Jährige bei seinem Auftauchen im Krankenhaus dabei hatte, wurden von der Polizei sichergestellt. Der Mann wurde zwischenzeitlich von der Kriminalpolizei in Miesbach und der Staatsanwaltschaft vernommen. Ob ein Haftbefehl gegen ihn beantragt wird, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Norbert Kotter

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