Lokführer fährt mit Zug zum Holzklauen

Lokführer fährt mit Zug zum Holzklauen

328.01.09|Bayern|16 KommentareFacebook
Artikel drucken|Artikel empfehlen|Schrift a / A

Aschau - Die Geschichte erinnert ans „Königlich-bayerische Amtsgericht“: Ein Lokführer schnappt sich nachts im Chiemgau seinen Zug, um damit in den Wald zum Holzklauen zu fahren.

Holz klauen und dann noch mit der Dienst-Eisenbahn? Konnte nicht gutgehen...

Holz klauen und dann noch mit der Dienst-Eisenbahn? Konnte nicht gutgehen...

Doch der Diebstahl fliegt auf, der Lokführer landet vor der Amtsrichterin. Die zeigt viel Verständnis und spricht den Mann frei. Doch der Staatsanwalt will eine Strafe…

Frank M. (53, Name geändert) ist ein alter Eisenbahnbeamter, ein Lokführer ohne Tadel. Bis zu jenem Wintertag, an dem er mit seinem Zug auf der Chiemgaubahn zwischen Prien und Aschau pendelte. Da fällten Arbeiter längs der Bahngleise im Auftrag der Bahn Bäume. „Eigentlich a schens Hoiz für den Kachelofen“, dachte sich der 53-jährige. In einer Pause erkundigte sich der Lokführer bei den Waldarbeitern, ob er für seinen Kachelofen etwas Brennholz mitnehmen könne. Die Arbeiter stimmten generös zu – denn das Holz gehörte ihnen ja nicht. Später waren die Arbeiter nicht mehr zu ermitteln …

Der Eisenbahner wollte nun zunächst auf der letzten Fahrt nach Aschau, die dort planmäßig um 0.11 Uhr endet, das Holz mitnehmen. Da meist keine Fahrgäste mehr mitfahren, wäre auch – so seine Überlegung – dieser Plan aufgegangen: unterwegs schnell stehen bleiben, den Zug mit Holz füllen. Dafür ein wenig später ankommen.

Sein Pech: Ausgerechnet an diesem Tag saßen auf der letzten Fahrt zwei Reisende nach Aschau im Zug. Auweh, zwick! Frank M. disponierte also um: Kurz nach Mitternacht fuhr der Lokführer mit dem Zug von Aschau aus in den Wald und lud bei den Haltepunkten Vachendorf und Urschalling insgesamt ein Ster Brennholz ein. Dann ging’s zurück. Damit niemand etwas merkte, war Frank M. sogar ohne Licht gefahren.

Trotzdem flog der „Holzsonderzug aus Aschau“ auf: Anwohner hatten sich über den mit laufendem Motor stehenden Zug geärgert und beschwerten sich bei der Deutschen Bahn. Die reagierte konsequent: Sie fand heraus, dass der Lokführer für die zusätzlich gefahrenen 15 Kilometer für 12,13 Euro Diesel verblasen hatte, und zeigte ihn wegen Diebstahls „einer geringwertigen Sache“ an. Die Staatsanwaltschaft erließ einen Strafbefehl, dem M. widersprach.

Bei der Verhandlung zeigte die Amtsrichterin in Rosenheim aber Herz für den Lokführer und sprach ihn frei. Begründung: Der Angeklagte habe bei der Fahrt nicht an den Dieselverbrauch gedacht, zudem habe er die Holzstöße nur über die Bahntrasse wieder finden können. Außerdem sei sein ursprünglicher Plan, das Holz in den Zug einzuladen, wegen der Fahrgäste nicht durchführbar gewesen.

Während im „Königlich-bayerischen Amtsgericht“ Ankläger und Angeklagter nach dem Prozess im Biergarten zusammensitzen, verlief hier das Ende weniger harmonisch. Der Staatsanwalt ging tatsächlich in Berufung. Frank M. arbeitet inzwischen bei einer anderen DB-Firma.

Karl-Heinz Dix

Quelle: tz

zurück zur Übersicht: Bayern

Schliessen

Artikel empfehlen!

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fotostrecken aus Bayern

Bayern|0

Doppelmord in Rosenheim: Polizei sucht Täter

Doppelmord in Rosenheim: Polizei sucht Täter

Bayern|0

Im August: Schnee-Gestöber auf der Zugspitze

Im August: Zugspitze zugeschneit

Bayern|9

Burghausen: Trauer am Unglücksort um getötete Feuerwehrfrau

Trauer am Unglücksort um getötete Feuerwehrfrau

Top Artikel aus Bayern:

  • Meist gelesene Artikel
  • Meist kommentiert
Sebastian Frankenberger ist der Initiator des absoluten Rauchverbots
Frankenberger fliegt aus dem Festzelt!

Waldkirchen - Sebastian Frankenberger, der Initiator des absoluten Rauchverbots, ist beim Waldkirchner Volksfest in der Nähe von Passau aus dem Bierzelt geworfen worden.Mehr...

Hochwasser-Alarm: Würm ist über die Ufer getreten

München/Starnberg - Dauerregen und kein Ende: Straßen, Keller und Firmengebäude stehen unter Wasser. Am Starnberger See und der Würm bleibt die Lage kritisch. Im Allgäu musste ein Zeltlager geräumt werden.Mehr...

Sebastian Frankenberger ist der Initiator des absoluten Rauchverbots
Frankenberger fliegt aus dem Festzelt!

Waldkirchen - Sebastian Frankenberger, der Initiator des absoluten Rauchverbots, ist beim Waldkirchner Volksfest in der Nähe von Passau aus dem Bierzelt geworfen worden.Mehr...

Frankenberger: Jetzt rücken ihm die Stalker auf die Pelle

München - Die fanatischen Frankenberger-Hasser haben sich eine neue Arbeitsweise einfallen lassen, wie sie den Vorkämpfer in Sachen Nichtraucherschutz ärgern können.Mehr...

Weitere Artikel aus Bayern:

Warnung vor radioaktiv verseuchten Pilzen
Warnung vor radioaktiv verseuchten Pilzen

München - Das Umweltinstitut München hat bei einer Stichprobe im Münchner Handel erneut radioaktiv belastete Pilze entdeckt.Mehr...

Stadt Bamberg hilft verunglücktem Franken in Thailand
Stadt Bamberg hilft verunglücktem Franken in Thailand

Bamberg - Ein Spendenkonto soll die Rückkehr eines seit Monaten in einem thailändischen Krankenhaus liegenden Bambergers ermöglichen.Mehr...

Aktuelle Videos

AktuellesSportCommunityFreizeitServiceAnzeigenAbo

Artikel lizenziert durch © tz-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.tz-online.de