1309.10.08|Bayern|4 Kommentare
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Jandelsbrunn - Nach gescheiterten Verhandlungen mit den Banken ist Deutschlands größter Reisemobil- und Wohnwagenbauer Knaus Tabbert pleite.

© dpa
1500 Beschäftigte stehen vor einer ungewissen Zukunft.
Da die langwierigen Gespräche mit den Gläubigern ergebnislos geblieben seien, sei am Donnerstag beim Passauer Amtsgericht Insolvenzantrag gestellt worden, teilte das Unternehmen aus dem niederbayerischen Jandelsbrunn (Landkreis Freyung-Grafenau) mit. Von der Pleite sind insgesamt mehr als 1500 überwiegend im Inland beschäftigte Mitarbeiter betroffen.
Das Gericht hat den Münchner Rechtsanwalt Michael Jaffé zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Er kündigte an, dass er auf jeden Fall eine Lösung zum Erhalt des Unternehmens suchen werde. “Wir wollen sehr schnell für die Kunden Sicherheit generieren, dass es weitergeht“, sagte Jaffé. Eine Notverkauf des Unternehmens unter Zeitdruck und unter Wert schloss er aus. Die Produktion werde zunächst planmäßig weiterlaufen.
Geschäftsführer Thomas Dickenberger erklärte, dass die Banken wegen der unten der Erwartungen gebliebenen Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres den üblichen Überbrückungskredit von 12 Millionen Euro für die Wintermonate verweigert hätten. Nach Dickenbergers Angaben, gibt es bereits mehrere Interessenten, die Anteile an dem Unternehmen kaufen wollten. Eine geordnet laufende Insolvenz, die bereits seit einiger Zeit vorbereitet worden sei, biete nun die Möglichkeit, ein Konzept für die Zukunft zu entwickeln.
Dickenberger betonte, dass es unumgänglich sei, das Unternehmen im Rahmen eines Sanierungsplans strukturell anzupassen. Konkrete Aussagen zu einem möglichen Stellenabbau und den drei davon betroffenen Fabriken machten Jaffé und Dickenberger aber nicht. “Wir werden uns alle Standorte anschauen“, sagte der Insolvenzverwalter.
Bei den Bankenrunden war auch die bayerische Staatsregierung eingebunden. Der Freistaat habe eine Rettungsbürgschaft für das Unternehmen angeboten und sei damit “bis an die Grenze des rechtlich Möglichen gegangen“, sagte Bayerns Wirtschaftsministerin Emilia Müller (CSU) laut Mitteilung. Nun gehe es darum, den Fortbestand des Wohnmobilherstellers zu sichern.
Am Stammsitz im Bayerischen Wald arbeiten 760 Menschen für Knaus Tabbert, 400 sind im Zweigwerk im hessischen Sinntal-Mottgers nahe Fulda tätig. Zudem sind noch zahlreiche Arbeitsplätze bei Zulieferern von dem Unternehmen abhängig. Ein Sprecher des Landratsamtes Freyung- Grafenau bezeichnete den finanziellen Zusammenbruch des Betriebes wegen der Bedeutung für die Region als “eine Katastrophe für den Landkreis“. An einem dritten Standort im ungarischen Nagyoroszi beschäftigt Knaus Tabbert etwa 350 Menschen.
Der Umsatz des Unternehmens war im abgelaufenen Geschäftsjahr (31. Juli) bei etwa 19 000 verkauften Fahrzeugen um 25 Millionen Euro auf 305 Millionen Euro zurückgegangen. Damit wurde das Geschäftsziel um 15 Millionen Euro verfehlt, so dass das Unternehmen ein Ergebnis von minus acht Millionen Euro verbuchen musste.
Knaus Tabbert begründete die Probleme mit einer allgemeinen Kaufzurückhaltung der Kunden, die auf die gesamte Branche durchschlage. So schreckten beispielsweise die hohen Spritpreise viele Camper davor ab, sich neue Fahrzeuge zuzulegen.
Die Knaus Tabbert Group GmbH, die nach eigenen Angaben derzeit rund 60 Millionen Euro Schulden hat, war 2001 durch die Fusion der Konkurrenten Knaus und Tabbert (Sinntal) entstanden. Tabbert war bereits 1934 gegründet worden, und Knaus baute seit 1960 Camping- Fahrzeuge. Neben den weiterhin separat vertriebenen Marken Knaus und Tabbert gehören auch andere im Caravan-Bereich bekannte Marken wie Eifelland, Wilk oder Weinsberg zu der Unternehmensgruppe.
Quelle: DPA

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