„Ich bin dann mal offline"

BR-Reporter Richard Gutjahr im Selbstversuch: eine Woche ohne Computer und Handy

„Ich bin dann mal offline"

1312.08.08|BayernFacebook
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München - Er bezeichnet sich als „Informations-Junkie“ und zählt sich selbst zu den zwei Millionen Deutschen, die als Internet-süchtig gelten.

Bin ich denn schon draußen? Richard Gutjahr (35) fühlte sich in der analogen Welt aufgeschmissen.

© BR

Bin ich denn schon draußen? Richard Gutjahr (35) fühlte sich in der analogen Welt aufgeschmissen.

Zwischen sechs und zehn Stunden pro Tag verbringt der BR-Reporter Richard Gutjahr (35) online am Computer – von der Morgenlektüre einiger Zeitungen im Internet bis zur nächtlichen Recherche, wenn Gutjahr die Spätnachrichten moderiert. Zwei Handys nennt er sein Eigen, die Gesamtrechnung beträgt rund 150 Euro im Monat. Doch jetzt hat Richard Gutjahr den Stecker gezogen. Eine ganze Woche lang lebt er ohne Internet und Mobiltelefon.

„Ich bin dann mal offline.“ Mit diesen Worten verabschiedete sich Gutjahr in die Kommunikationssteinzeit, die gerade mal 15 Jahre zurückliegt. Überweisungsformular statt Online-Banking, Einzelhandel statt E-Commerce, Papierarchiv statt Google und Datenbank – so sieht nun wieder Gutjahrs Alltag aus. Die Erfahrungen aus seinem Selbstversuch schildert er bis kommenden Donnerstag täglich im Rundschau Magazin sowie im Internet ( www.br-online.de ).

Schon am Wochenende begann die Zeitreise in die analoge Welt. „An den Nachrichten auf dem heimischen Anrufbeantworter konnte ich hören, wie sauer meine Freunde waren, dass ich nicht mehr ständig erreichbar bin“, so Gutjahr. „Heute gilt es auch als Selbstverständlichkeit, dass man umgehend auf eine SMS oder eine Mail antwortet. Früher konnte man sich ruhig eine Woche Zeit lassen, um einen Brief zu beantworten.“

Am Montag dann der erste Arbeitstag. Gutjahr soll zum Thema „Krank durch Handy und Computer“ recherchieren. Doch wie soll er ohne Computer und Google an entsprechende Studien, Fachartikel und Ansprechpartner gelangen? Übers Festnetz-Telefon kommt Gutjahr nicht weiter. „Dazu gibt es umfrangreiches Material“, teilt ihm die Pressesprecherin des Bundesgesundheitsministeriums mit, „finden Sie alles auf unserer Internet-Seite…“

Und dann die ganz alltäglichen Probleme! Als Gutjahr einmal dringend telefonieren musste, fand er zunächst keine Telefonzelle. „Man hat ja gar nicht mitgekriegt, wie fleißig die Telekom die Dinger abgeschraubt hat“, stellt der gebürtige Bonner fest. Dann hing in der Zelle kein Telefonbuch. „Früher konnte ich mindestens die zehn wichtigsten Nummern auswendig, heute verlasse ich mich da voll auf mein Handy.“

Wie es Richard Gutjahr im weiteren Verlauf seines Selbstversuches ergangen ist, berichtet er demnächst auch in einem Interview mit der tz.

IW.

"Rundschau Magazin", Dienstag, 12. August, 21 Uhr, BR

Quelle: tz

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