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Hier lebte Ursulas Peiniger

Hier lebte Ursulas Peiniger

Kappeln - Am anderen Ende der Republik versuchte Werner M. (58), ein unauffälliges Leben zu führen. „Er unterhielt sich schon mit den Einwohnern, drängte sich aber auch nicht auf“, erzählt ein Fischsemmel-Verkäufer am Hafen.

„Niro Werner“ – das Schild steht über dem Haus von Werner M. in Kappeln: Vorne ist der Laden für Yacht- und Bootszubehör, hinten hat er gewohnt.

© Schneeweiß

„Niro Werner“ – das Schild steht über dem Haus von Werner M. in Kappeln: Vorne ist der Laden für Yacht- und Bootszubehör, hinten hat er gewohnt.

Doch jetzt sind die Einwohner des 10 000-Seelen-Städtchens verstört. Dass so jemand bei ihnen jahrelang lebte, können sie nicht fassen. „Aber erst mal abwarten, ob er’s wirklich war“, sagen sie.

Doch zumindest der kommende Dienstagabend wird nicht mehr sein wie sonst in Kappeln: Da veranstaltete der Werner M., der Bayer im hohen Norden, wöchentlich die Fleisch gewordene Erinnerung an die Heimat: ein Spanferkel- oder Hendl-Essen. Werner M.s Freund, der Fischrestaurant-Besitzer Nils-Norbert Stark, wird es wohl nächstes Mal ausfallen lassen müssen.

Stark ist im Übrigen sauer: „Das ist bayerische Willkür, wie man sie sich vorstellt. Ich kann nicht verstehen, warum kein Anwalt zu Werner vorgelassen wird“, schimpft er. In seine Kneipe war M. öfter gekommen, nachdem er nach Kappeln gezogen war – und aus dem Kunden M. wurde ein Kumpel. „Ich bin sicher, dass Werner am Dienstag wieder frei ist“, so Stark.

Der Fall Ursula Herrmann in Bildern

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  • kappeln In Kappeln wurde Werner M. geschnappt. Kaum ein Ort in Deutschland ist mit über 920 Kilometern von München weiter entfernt als das 10.000-Seelen-Städtchen
  • Niro Werner heißt der Laden von Werner M. in Kappeln: Vorne ist das Geschäft für Yacht- und Bootszubehör, hinten hat er gewohnt
  • Der hintere Teil von Werner M.s Haus: In der kleinen Hütte hat der 58-Jährige bayerische Schmankerl verkauft
  • Abendliche Hafen-Romantik in Kappeln: Der Ort ist die Kulisse für die ZDF-Serie "Der Landarzt"
  • Die Hartnäckigkeit und akribische Kleinarbeit haben sich gelohnt: Nach fast 27 Jahren hat das Team um Josef Geißdörfer (LKA) den Fall Ursula Herrmann gelöst. Alle Akten im Hintergrund drehen sich um diesen Fall
  • Ein Fotograf filmt bei der Pressekonferenz die Kiste, in der das Mädchen qualvoll ersticken musste, und das Fahrrad, mit dem Ursula Herrmann vom Turnunterricht heimradelte
  • Das Grab von Ursula Herrmann in Eching
  • Ein Herz aus Blumen auf dem Grab von Ursula Herrmann in Eching
  • Mit diesem Fahrrad war das Mädchen im Waldstück zwischen Schondorf und Eching unterwegs
  • Peter Burghardt, Sprecher des LKA, zeigt die Kiste, in der Ursula Herrmann so qualvoll im Wald erstickte
  • Peter Burghardt, Sprecher des LKA, mit dem Fahrrad des Mädchens und der Kiste, in der sie gefangen gehalten worden ist
  • Josef Geißdörfer vom LKA mit dem Fahrrad von Ursula Herrmann, dahinter ein Nachbau der Kiste, in der sie vergraben war
  • Die Kiste war auch in der Polizeiausstellung "Die vergessenen Fälle" im Jahr 1999 im Münchner Stadtmuseum zu sehen
  • In dieser Position wurde Ursula Herrmann in der Kiste gefunden
  • Polizisten haben 19 Tage lang nach dem Mädchen gesucht
  • Jede Menge Schokolade und Kekse hat der Entführer Ursula Herrmann mit in die Kiste gelegt
  • Der Entführer hatte Ursula Herrmann Groschenhefte mit in die Kiste gelegt
  • Erst 19 Tage nach der Entführung wurde die Leiche des Mädchens bei einer Suchaktion gefunden
  • Die Leiche der Schülerin Ursula Herrmann wird in einem Zinksarg wegtransportiert (Archivfoto vom 04.10.1981)
  • Einer der insgesamt drei Erpresserbriefe im Fall Ursula Herrmann, die mit aus Zeitungen geschnittenen Wörtern zusammengesetzt waren (Archivfoto vom 5.10.1981)
  • Ein Passbild der Zehnjährigen
  • Der Eingang des unterirdischen Verlieses in einem Waldstück bei Schondorf, das mit frisch gepflanzten Bäumen getarnt war
  • Ursula Herrmann aus Eching wurde am 4. Oktober 1981 tot in einer Kiste im Wald gefunden
  • Im Alter von zehn Jahren ist Ursula Herrmann aus Eching entführt worden und qualvoll in einer Kiste erstickt
  • Das Archivbild vom 5. Oktober 1981 zeigt die in einem Waldstück bei Eching am Ammersee (Landkreis Landsberg am Lech) vergrabene Holzkiste, in der die zehnjährige Ursula Herrmann am 4. Oktober 1981 tot aufgefunden wurde

vor

Ursula Herrmann: Verdächtiger in U-Haft

27 Jahre nach dem Mord an Ursula Herrmann aus Eching am Ammersee, hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen. merkurtz.tv war für Sie vor Ort und hat die neuesten Informationen.

Manchmal grinsten die Kappelner, wenn sich Werner M. einfach als Beifahrer hinten auf dem elektrischen Rollstuhl seiner Frau Gabriele chauffieren ließ. Doch die meisten mögen den stämmigen Bayern nicht, dessen Dialekt hier nahe der dänischen Grenze stets auffiel: „Für mich war der faul“, sagt ein älterer Mann. „Niro Werner“ – den Laden mit der Abkürzung für nichtrostende Eisenwaren schätzten die Kunden aber. „Ladendiebstahl lohnt nicht bei den Preisen“, steht auf einem Schild am Eingang.

Bei den Nachbarn ist der Bewohner des langen Backsteinhauses ebenfalls unbeliebt: „M. hat nie gegrüßt“, schüttelt Bürokauffrau Maria Traulsen den Kopf. „Er ist einfach durch und durch ein Egoist,“ sagt eine weitere Nachbarin. Aber ein Verbrecher als Nachbar? Da spricht eine Frau für den ganzen Ort: „Da denkt man nie im Leben dran! Ich kann das nicht glauben.“

Quelle: tz

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