Geier Willi kann nach Laser-OP wieder sehen

Behinderter Vogel ist der Star im Wildpark Poing

Geier Willi kann nach Laser-OP wieder sehen

322.10.08|Bayern|
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Im Käfig sitzen und auf den Tod warten – das wäre das Schicksal von Willi gewesen.

Als er vor vier Jahren aus dem Ei schlüpfte, war er blind. Nach erfolgreicher Augenoperation ist der Gänsegeier heute der Star der Flugschau im Wildpark Poing.

Die Besucher blicken fasziniert auf den Vogel, der vor ihnen auf der Wiese herumhüpft, auf einen Baumstumpf springt und manchmal sogar 50 Meter weit fliegt. Es ist Gänsegeier Willi, und eigentlich ist es für einen Geier nichts Besonderes, zu hüpfen und zu fliegen. Bis zu 3000 Meter hoch kann ein Gänsegeier steigen, und selbst von dort oben noch Kadaver am Boden entdecken. Willi kann das alles nicht, „Willi ist behindert“, erklärt Falkner Rudolf Maier den Zuschauern der Flugvorführung.

Vor vier Jahren schlüpfte der Gänsegeier in einer deutschen Zuchtstation aus dem Ei; weil die Eltern sich nicht um ihn kümmern wollten, wurde er von Menschenhand großgezogen. „Nach ein paar Wochen stellte man fest, dass er blind ist“, erzählt Maier. Als Willi ein Jahr alt war, wagte man einen ungewöhnlichen Schritt: Der Gänsegeier sollte am rechten Auge operiert werden. „Das war sehr kompliziert, weil man bis dahin keine Erfahrungen hatte, wie ein Gänsegeier die Narkose überstehen würde“, erzählt Maier. Ein Augentierarzt führte eine Laseroperation durch – mit Erfolg. Willi kann auf einem Auge sehen.

Drei Jahre später spaziert der Gänsegeier über die Wiese im Wildpark Poing. „Willi, geh’ zum Holzblock“, befiehlt Rudolf Maier. Willis Körper wackelt von links nach rechts, der Kopf bewegt sich auf und ab. Willi möchte lieber dorthin, wo die Besucher sitzen. „Wilhelm, geh’ zum Block“, sagt der Falkner jetzt in schärferem Ton. Und Willi folgt. Zur Belohnung gibt’s ein Stück Hühnerfleisch, dann folgt Willis großer Moment: Er fliegt von einem Block zum anderen, 50 Meter weit. „Das hat zweieinhalb Jahre gedauert. Zunächst habe ich ihn von Block zu Block hüpfen lassen, dann habe ich sie immer weiter auseinander gestellt“, erzählt Maier. „Er fliegt, weil er mir vertraut.“

Rudolf Maier hatte vor drei Jahren, kurz nach der Operation, von Willis Schicksal erfahren – und ihn nach Poing geholt. „Ich wollte nicht, dass er in einem Käfig dahinsiecht.“ Der Falkner trainiert jeden Tag mit Willi, über den er sagt: „Er ist ein lustiger Geselle, sehr intelligent und lernbereit“. So lange es Willi so gut geht wie jetzt, möchte Maier nicht das Risiko einer Operation am zweiten Auge eingehen. „Ich weiß ja nicht, ob er aus der Narkose aufwacht.“ Willi ist ihm ans Herz gewachsen – genauso wie den Wildpark-Besuchern. Die Willi-Anstecknadeln, die Rudolf Maier nach den Flugvorführungen verkauft, finden reißenden Absatz.

Armin Rösl

Die Flugvorführungen, bei denen neben Falken, Eulen und Weißkopfseeadler auch Willi zu sehen ist, finden außer Freitag täglich statt. An Wochentagen um 10.30 Uhr und um 15 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertag um 11 und 15 Uhr. Die Flugvorführungen gehen bis 1. November.

Quelle: tz

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