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Fall Herrmann: Prozess beginnt am 19. Februar - Über 200 Zeugen

Fall Herrmann: Prozess beginnt am 19. Februar - Über 200 Zeugen

Augsburg - Der Prozess um die spektakuläre Entführung der kleinen Ursula Herrmann vor 28 Jahren beginnt am 19. Februar vor dem Landgericht Augsburg.

Der mutmaßliche Ursula-Herrmann-Entführer Werner M.

© Barz

Der mutmaßliche Ursula-Herrmann-Entführer Werner M.

Angeklagt ist ein 58 Jahre alter Mann wegen erpresserischen Menschenraubes mit Todesfolge. Seine Ehefrau muss sich wegen Beihilfe verantworten. Der Mann soll im September 1981 die damals zehnjährige Ursula bei Eching am Ammersee entführt und in einer im Wald vergrabenen Kiste eingesperrt haben, in der das Mädchen qualvoll erstickte. Die Belüftungsanlage hatte nicht funktioniert. Beide bestreiten die Tat.

Nach Angaben des Gerichts vom Montag sind mehr als 200 Zeugen geladen, bis zum Jahresende sind 53 Sitzungen angesetzt. Bei dem Verfahren wird es sich um den vermutlich bisher längsten Indizien-Prozess in Augsburg handeln. Nach der jetzigen Zeitplanung könnte ein Urteil kurz vor Weihnachten 2009 fallen. Diese Terminierung ist aber ungewiss, da die Verteidigung nach eigenen Angaben ihre rund 100 möglichen Zeugen für das Verfahren noch nicht benannt hat. Für beide Seiten ist der Ausgang des Verfahrens völlig offen.

Der Angeklagte war im Mai 2008 als mutmaßlicher Entführer von Ursula in Schleswig-Holstein festgenommen worden. Damals hatte die Staatsanwaltschaft ein Tonbandgerät präsentiert, auf dem Spezialisten des Bayerischen Landeskriminalamtes Spuren gefunden haben sollen, die in direktem Zusammenhang mit den Erpresseranrufen von 1981 stehen sollen. Das Tonband war bei einer Hausdurchsuchung des Beschuldigten im Jahr 2007 beschlagnahmt worden. Auch abgehörte Telefongespräche zwischen dem Ehepaar sollen belastend sein. Das Ehepaar hatte zum Zeitpunkt der Tat am Ammersee in der Nähe des Opfers gewohnt und war später nach Norddeutschland gezogen.

Walter Rubach, der Verteidiger der Angeklagten, sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa, noch nie habe es in einem Verfahren so wenig Handfestes gegen die Beschuldigten gegeben. “Es gibt nichts, nichts nichts; keine DNA-Spur, keine Fingerabdrücke, keine Blut- oder Haarspuren“, sagte Rubach. Stattdessen gebe es für die Verteidigung Alternativtäter. Der Vorsitzende Richter des Verfahrens, Wolfgang Rothermel sagte, die Besonderheit des Prozesses sei, dass die Tat 28 Jahre zurückliege und mehrere Zeugen bereits verstorben seien.

Der Fall Ursula Herrmann in Bildern

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  • kappeln In Kappeln wurde Werner M. geschnappt. Kaum ein Ort in Deutschland ist mit über 920 Kilometern von München weiter entfernt als das 10.000-Seelen-Städtchen
  • Niro Werner heißt der Laden von Werner M. in Kappeln: Vorne ist das Geschäft für Yacht- und Bootszubehör, hinten hat er gewohnt
  • Der hintere Teil von Werner M.s Haus: In der kleinen Hütte hat der 58-Jährige bayerische Schmankerl verkauft
  • Abendliche Hafen-Romantik in Kappeln: Der Ort ist die Kulisse für die ZDF-Serie "Der Landarzt"
  • Die Hartnäckigkeit und akribische Kleinarbeit haben sich gelohnt: Nach fast 27 Jahren hat das Team um Josef Geißdörfer (LKA) den Fall Ursula Herrmann gelöst. Alle Akten im Hintergrund drehen sich um diesen Fall
  • Ein Fotograf filmt bei der Pressekonferenz die Kiste, in der das Mädchen qualvoll ersticken musste, und das Fahrrad, mit dem Ursula Herrmann vom Turnunterricht heimradelte
  • Das Grab von Ursula Herrmann in Eching
  • Ein Herz aus Blumen auf dem Grab von Ursula Herrmann in Eching
  • Mit diesem Fahrrad war das Mädchen im Waldstück zwischen Schondorf und Eching unterwegs
  • Peter Burghardt, Sprecher des LKA, zeigt die Kiste, in der Ursula Herrmann so qualvoll im Wald erstickte
  • Peter Burghardt, Sprecher des LKA, mit dem Fahrrad des Mädchens und der Kiste, in der sie gefangen gehalten worden ist
  • Josef Geißdörfer vom LKA mit dem Fahrrad von Ursula Herrmann, dahinter ein Nachbau der Kiste, in der sie vergraben war
  • Die Kiste war auch in der Polizeiausstellung "Die vergessenen Fälle" im Jahr 1999 im Münchner Stadtmuseum zu sehen
  • In dieser Position wurde Ursula Herrmann in der Kiste gefunden
  • Polizisten haben 19 Tage lang nach dem Mädchen gesucht
  • Jede Menge Schokolade und Kekse hat der Entführer Ursula Herrmann mit in die Kiste gelegt
  • Der Entführer hatte Ursula Herrmann Groschenhefte mit in die Kiste gelegt
  • Erst 19 Tage nach der Entführung wurde die Leiche des Mädchens bei einer Suchaktion gefunden
  • Die Leiche der Schülerin Ursula Herrmann wird in einem Zinksarg wegtransportiert (Archivfoto vom 04.10.1981)
  • Einer der insgesamt drei Erpresserbriefe im Fall Ursula Herrmann, die mit aus Zeitungen geschnittenen Wörtern zusammengesetzt waren (Archivfoto vom 5.10.1981)
  • Ein Passbild der Zehnjährigen
  • Der Eingang des unterirdischen Verlieses in einem Waldstück bei Schondorf, das mit frisch gepflanzten Bäumen getarnt war
  • Ursula Herrmann aus Eching wurde am 4. Oktober 1981 tot in einer Kiste im Wald gefunden
  • Im Alter von zehn Jahren ist Ursula Herrmann aus Eching entführt worden und qualvoll in einer Kiste erstickt
  • Das Archivbild vom 5. Oktober 1981 zeigt die in einem Waldstück bei Eching am Ammersee (Landkreis Landsberg am Lech) vergrabene Holzkiste, in der die zehnjährige Ursula Herrmann am 4. Oktober 1981 tot aufgefunden wurde

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Quelle: DPA

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