406.11.09|Bayern|65 Kommentare
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Gräfenberg - Es sind Tage, an denen sich Anti-
Und das Bürgerforum Gräfenberg wird im Dezember vom Landtag mit dem Bürgerkulturpreis gewürdigt: 43 Mal hatten sich die Gräfenberger in drei Jahren friedlich den Rechten gestellt. Doch nicht immer ist es nur Ehre, was ihr Protest einbrachte:
In Forchheim geht das Leben einen beschaulichen Weg. Und die Stadt am Eingang zur Fränkischen Schweiz besitzt ein Amtsgericht. Kleinere Sachen werden hier verhandelt, Alkoholfahrten, Schlägereien. Umso mehr sorgte der Auftritt einer zierlichen Studentin für Aufmerksamkeit, die sich gleich wegen mehrerer Vergehen zu verantworten hatte. Die junge Frau begann mit einer Rede, die so gar nicht in den Verhandlungssaal mit seinen Kleinkriminellen passte.
Andrea B. (24, Name geändert): „Ich bekenne mich schuldig. Aber nicht im Sinne der Anklage. Ich bekenne mich schuldig, Zivilcourage gezeigt zu haben, genauso wie es allenthalben gefordert wird. Und ich bekenne mich schuldig, weil ich versucht habe, Nazis wenigstens symbolisch im Weg zu sein, bei ihren Aufmärschen wie dem am 25. Juli in Gräfenberg …“
Applaus aus dem übervollen Zuhörerraum, Rufe. Richter Norbert Spintler mahnt: „Wir sind nicht im Wirtshaus!“ Doch immer wieder muss sich der eine oder andere so richtig empören: Es geht schließlich um gewaltfreien Widerstand, die „Täter“ fühlen sich völlig zu Unrecht kriminalisiert. Seit Jahren wird der Ort Gräfenberg mit Neonazi-
Rückblick: Am 25. Juli 2008 soll der Preis in der Stadt mit einem Friedensfest gefeiert werden. Zunächst wollen die Bürger durch den Ort spazieren, später am Marktplatz eine Party abhalten. Die Neonazis melden für diesen Tag plötzlich auch einen Marsch an, dieser wird vom Landratsamt Forchheim abgenickt. Um 19.30 Uhr gehen die Bürgerrechtler los, eine halbe Stunde später marschieren die Rechten – auf dem gleichen Weg. Dass dies Konflikte herausfordert, hätte man sich denken können …
Und so setzt sich der erste aus dem Bürgerforum auf die Straße, ein zweiter, ein Paar, eine Gruppe. Am Schluss dürften sich um die 100 Menschen den Neonazis entgegengesetzt haben: Männer, Frauen, Kinder. Polizisten sehen darin eine illegale Blockade, die Teilnehmer werden eingekesselt. Unter den Eingeschlossenen ist auch die Dekanin von Gräfenberg, Christine Schürmann: „Wir haben uns ja auch hingehockt, weil die Kleinen das von der Polizei vorgegebene Tempo nicht mehr halten konnten.“ Im Kessel wollen nach einer Weile die ersten aufs Klo, viele haben Durst. Einige wollen einfach nur raus, darunter Studentin Andrea B. Sie rennt gegen die Polizei-
Mit Fotos von den Blockade-
In der Tat wird sein Verfahren später gegen eine Zahlung von 100 Euro eingestellt. Ein zweites Verfahren verläuft ähnlich, nicht aber der Fall der Studentin Andrea B.: Der wirft der Staatsanwalt mehrere Vergehen vor: Versammlungssprengung, Körperverletzung, Widerstand gegen Staatsgewalt. Um gleich Luft aus dem Prozess zu nehmen, wird der Blockade-
Die Bürger denken nicht, sie protestieren noch im Saal. Hatte sie denn nicht auch Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in ihrem Tun bestärkt? „Ich freue mich über jeden, der da in Gräfenberg auch gegen die Neonazis antritt“, sagte er im Februar. Die Verfahren – sie haben die Bewegung vor den Kopf gestoßen. Aber sie braucht auch dringend die Polizei: Zwar haben die Neonazis ihre Märsche eingestellt, doch gibt es andere Umtriebe. Bürgermeister Wolf spricht von rechten Aktionen vor den Schulen und von persönlichen Drohungen.
Markus Christandl