114.04.08|Bayern|
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Bad Reichenhall - Im Prozess um den Einsturz der Eislaufhalle von Bad Reichenhall hat die frühere Stadtbaudirektorin jegliche Verantwortung zurückgewiesen.

© dpa
Am 2. Januar 2006 waren beim Einsturz der Eissporthalle 15 überwiegend junge Menschen ums Leben gekommen.
“Ich habe keinen Handlungsbedarf gesehen“, sagte die heute 63-Jährige am Montag bei ihrer Vernehmung als Zeugin vor dem Landgericht Traunstein. Zum Ergebnis des von ihr in Auftrag gegebenen Gutachtens, das der Halle einen einwandfreien Zustand bescheinigte, sagte sie: “Das war eine Aussage, über die nicht zu diskutieren war.“
Für sie habe diese Bestandsaufnahme bedeutet, “dass die Konstruktion so in Ordnung ist“, erläuterte die nur wenige Monate nach dem Unglück vorzeitig pensionierte Stadtbaudirektorin. Am 2. Januar 2006 waren beim Einsturz der Eissporthalle 15 überwiegend junge Menschen Menschen ums Leben gekommen. Wegen fahrlässiger Tötung müssen sich drei Ingenieure und Architekten im Alter von 55 bis 68 Jahren vor Gericht verantworten. Gegen einen mitangeklagten 71 Jahre alten früheren Mitarbeiter im Bauamt der Stadt wurde das Verfahren abgetrennt.
Das 2003 erstellte Gutachten spielt in dem Prozess eine zentrale Rolle, weil es für die Stadt eine Art Freibrief darstellt. Der Ersteller der Expertise ist einer der drei Angeklagten. Die Stadtbaudirektorin als oberste Chefin der Bauverwaltung in der Kommune bestätigte Angaben früherer Zeugen, wonach das Gutachten in erster Linie zur Ermittlung der Sanierungskosten für die Eislauf- und die daran angebaute Schwimmhalle gedacht war. “Er hatte keinen Auftrag für die Statik“, sagte sie an die Adresse des Angeklagten, den sie als sehr zuverlässig beschrieb.
Zur Wartung der zum Zeitpunkt des Einsturzes fast 35 Jahre alten Eissporthalle gab die Zeugin an, das Gebäude sei vom Betriebspersonal regelmäßig begutachtet worden. Kritik von Verteidigern, Handwerker könnten schließlich nichts über die Qualität von Holzleimbindern sagen, konterte sie mit dem Hinweis: “Diese Leute haben ihre Träger gekannt.“ So hätten sie regelmäßig Schrauben nachgezogen und kontrolliert, ob es Durchfeuchtung, Fäulnis oder Pilzbefall an den Holzbalken gab. Ihre Abteilung sei aber nur bei Auffälligkeiten informiert worden. “Man hat keine Risse festgestellt.“
Nach wie vor ist die Prüfstatik für die Eissporthalle spurlos verschwunden, die es aber nicht nur nach Überzeugung der Ex- stadtbaudirektorin gegeben haben muss. Was sie getan hätte, wenn sie das Fehlen der Prüfstatik vorzeitig bemerkt hätte, wurde die 63- Jährige vom Vorsitzenden Richter gefragt. “Ich hätte veranlasst, dass eine Statik gemacht werden und diese auch geprüft werden muss“, lautete die Antwort. Keinen Zweifel ließ die enge Mitarbeiterin von Ex-OB Heitmeier auch daran aufkommen, dass sie die Eislaufhalle gesperrt hätte, wenn Mängel an den Holzträgern festgestellt worden wären. Vergangenen Donnerstag hatte bereits Heitmeier berichtet, er hätte keinerlei Bedenken hinsichtlich der Sicherheit des Gebäudes gehabt. Der 57-Jährige hatte sich mehrfach auf die Verantwortung der Bauverwaltung im Rathaus berufen: “Ich habe mich auf meine Mitarbeiter verlassen.“
Der Prozess wird am nächsten Montag (21. April) fortgesetzt. Mit einem Urteil der Großen Strafkammer am Traunsteiner Landgericht ist frühestens Ende Juli zu rechnen.
Quelle: DPA

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