Bamberg - Ein Domkapitular der Erzdiözese Bamberg soll sich jahrelang an Knaben eines katholischen Internats sexuell vergangen haben.

© dpa
Der Bamberger Dom im Schatten: Ein hoher Geistlicher des Bistums steht unter Missbrauchsverdacht.
Wie schwerwiegend die Vergehen des 63-Jährigen gewesen sein sollen, der zum engsten Führungsstab um Erzbischof Ludwig Schick gehört, ist derzeit noch unklar. Der Domkapitular trat noch am Mittwoch als Leiter der Hauptabteilung Pastorales Personal in der Erzdiözese zurück. Vize-Bistumssprecher Michael Kleiner sagte zu den Vorwürfen gegen den Priester, es gehe von “in den Arm nehmen bis hin zu körperlichem Anfassen“. “Es gibt momentan keine Hinweise auf extreme Sachen wie Vergewaltigung“, erläuterte Kleiner. Schick versprach rückhaltlose Aufklärung.
Die Staatsanwaltschaft Bamberg nahm bereits Ermittlungen wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen gegen den Mann auf, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Joseph Düsel sagte. Es werde auch geprüft, ob die möglichen Taten nicht bereits verjährt sind. Dies hänge unter anderem von der Schwere der Vergehen und vom Alter der Opfer zum Tatzeitpunkt ab.
Der frühere Pfarrer von St. Ludwig in Ansbach ist seit dem 18. Juli beurlaubt. Zuvor sei er von einem Arbeitsstab des Erzbistums, der Vorwürfen über sexuellen Missbrauch nachgeht, befragt worden. “Er konnte es offensichtlich nicht so entkräften, dass man sich nicht zum Handeln hätte gezwungen gesehen“, sagte Kleiner.
Erste Anschuldigungen waren bereits im vergangenen Herbst an die Erzdiözese herangetragen worden. Der Arbeitsstab sei sofort tätig geworden. “Es war wohl Aussage gegen Aussage“, erläuterte Kleiner den Grund, warum die Sonderermittler damals keinen akuten Handlungsbedarf sahen und den Einzelfall zu den Akten legten. “Dann gab es aber weitere Hinweise.“
Nach den Vorwürfen bot der Domkapitular am Mittwoch dem Erzbischof seinen Rücktritt vom Amt als Leiter der Hauptabteilung Pastorales Personal an. Schick habe den Rücktritt angenommen, sagte Pilkenroth. Über sein Amt als Domkapitular werden in den nächsten Wochen entschieden.
Das Internat, in dem Jungen im Alter zwischen 10 und 20 Jahren untergebracht waren, ist seit 1999 wegen mangelnder Auslastung geschlossen. Das Ottonianum war das erzbischöfliche Knabenseminar des Bistums zur Förderung des Priesternachwuchses und wurde 1866 innerhalb des Priesterseminars gegründet.
Vor acht Jahren war ein Pfarrer des Erzbistums wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Zwei Jahre später hatte die Diözese dann einen eigenen Beauftragten ernannt, der seither Verdachtsfällen von Kindesmissbrauch nachgeht.
Quelle: DPA
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