Kappeln - Das rote Haus am Hafen will Andrea Hansen (Name geändert) nie wieder betreten. Seit Anfang 2007 war sie die Putzfrau von Werner M. (58) in Kappeln (Schleswig-Holstein), doch jetzt ist für sie Schluss.

© Schneeweiß
der hintere Teil von Werner M.s Haus: In der kleinen Hütte hat der 58-Jährige bayerische Schmankerl verkauft.
„Nein, für einen Verbrecher arbeite ich nicht!“
Wie ein Schlag traf Hansen am Freitag die Nachricht, dass ihr Arbeitgeber wegen erpresserischen Menschenraubs verhaftet worden ist. Er soll der Mann sein, der vor fast 27 Jahren Ursula Herrmann (10) aus Eching entführte und in einer im Wald vergrabenen Holzkiste zu Tode kommen ließ (tz berichtete). Doch jetzt kann sich Andrea Hansen M.’s sonderbares Verhalten endlich erklären.
Inzwischen ist M.s Frau Gabriele in das Haus am Hafen zurückgekehrt. Während die nach einem schweren Autounfall (sie war 1983 mit ihrem Kleinwagen am Ammersee mit einem Zug kollidiert) auf den Rollstuhl angewiesene Frau rauchend hinter zugezogenen Gardinen in ihrer Küche sitzt und am Telefon das Unfassbare zu klären versucht, ist die Verhaftung ihres Mannes das Thema in der Hafenkneipe Alte Räucherei: „Wer weiß schon, wer sein Nachbar wirklich ist?“, fragt ein Stammgast in die Runde. Es klingt wie eine Verteidigung des Ortes, der jetzt deutschlandweit bekannt ist.
Nur der Fischrestaurant-Besitzer Nils-Norbert Stark versucht zu seinem Geschäftspartner Werner M. zu halten. Mit dem Spruch „Norberts Sau und Werners Bier, das Feinste auf der Hafenpier“, hatten sie jeden Dienstag um 19 Uhr Spanferkel verkauft.
Die Erklärungsversuche M.s für die erste Hausdurchsuchung im Herbst 2007 hatte Stark noch geglaubt. Doch jetzt wachsen die Zweifel: „Wenn Werner schuldig sein sollte, dann schließe ich die Tür zu unserer gemeinsamen Zeit ab und werfe den Schlüssel in das tiefste Loch.“
Quelle: tz
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