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Das sonderbare Leben des Werner M.

Das sonderbare Leben des Werner M.

Kappeln - Das rote Haus am Hafen will Andrea Hansen (Name geändert) nie wieder betreten. Seit Anfang 2007 war sie die Putzfrau von Werner M. (58) in Kappeln (Schleswig-Holstein), doch jetzt ist für sie Schluss.

der hintere Teil von Werner M.s Haus: In der kleinen Hütte hat der 58-Jährige bayerische Schmankerl verkauft.

© Schneeweiß

der hintere Teil von Werner M.s Haus: In der kleinen Hütte hat der 58-Jährige bayerische Schmankerl verkauft.

„Nein, für einen Verbrecher arbeite ich nicht!“

Wie ein Schlag traf Hansen am Freitag die Nachricht, dass ihr Arbeitgeber wegen erpresserischen Menschenraubs verhaftet worden ist. Er soll der Mann sein, der vor fast 27 Jahren Ursula Herrmann (10) aus Eching entführte und in einer im Wald vergrabenen Holzkiste zu Tode kommen ließ (tz berichtete). Doch jetzt kann sich Andrea Hansen M.’s sonderbares Verhalten endlich erklären.

Der Fall Ursula Herrmann in Bildern

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  • kappeln In Kappeln wurde Werner M. geschnappt. Kaum ein Ort in Deutschland ist mit über 920 Kilometern von München weiter entfernt als das 10.000-Seelen-Städtchen
  • Niro Werner heißt der Laden von Werner M. in Kappeln: Vorne ist das Geschäft für Yacht- und Bootszubehör, hinten hat er gewohnt
  • Der hintere Teil von Werner M.s Haus: In der kleinen Hütte hat der 58-Jährige bayerische Schmankerl verkauft
  • Abendliche Hafen-Romantik in Kappeln: Der Ort ist die Kulisse für die ZDF-Serie "Der Landarzt"
  • Die Hartnäckigkeit und akribische Kleinarbeit haben sich gelohnt: Nach fast 27 Jahren hat das Team um Josef Geißdörfer (LKA) den Fall Ursula Herrmann gelöst. Alle Akten im Hintergrund drehen sich um diesen Fall
  • Ein Fotograf filmt bei der Pressekonferenz die Kiste, in der das Mädchen qualvoll ersticken musste, und das Fahrrad, mit dem Ursula Herrmann vom Turnunterricht heimradelte
  • Das Grab von Ursula Herrmann in Eching
  • Ein Herz aus Blumen auf dem Grab von Ursula Herrmann in Eching
  • Mit diesem Fahrrad war das Mädchen im Waldstück zwischen Schondorf und Eching unterwegs
  • Peter Burghardt, Sprecher des LKA, zeigt die Kiste, in der Ursula Herrmann so qualvoll im Wald erstickte
  • Peter Burghardt, Sprecher des LKA, mit dem Fahrrad des Mädchens und der Kiste, in der sie gefangen gehalten worden ist
  • Josef Geißdörfer vom LKA mit dem Fahrrad von Ursula Herrmann, dahinter ein Nachbau der Kiste, in der sie vergraben war
  • Die Kiste war auch in der Polizeiausstellung "Die vergessenen Fälle" im Jahr 1999 im Münchner Stadtmuseum zu sehen
  • In dieser Position wurde Ursula Herrmann in der Kiste gefunden
  • Polizisten haben 19 Tage lang nach dem Mädchen gesucht
  • Jede Menge Schokolade und Kekse hat der Entführer Ursula Herrmann mit in die Kiste gelegt
  • Der Entführer hatte Ursula Herrmann Groschenhefte mit in die Kiste gelegt
  • Erst 19 Tage nach der Entführung wurde die Leiche des Mädchens bei einer Suchaktion gefunden
  • Die Leiche der Schülerin Ursula Herrmann wird in einem Zinksarg wegtransportiert (Archivfoto vom 04.10.1981)
  • Einer der insgesamt drei Erpresserbriefe im Fall Ursula Herrmann, die mit aus Zeitungen geschnittenen Wörtern zusammengesetzt waren (Archivfoto vom 5.10.1981)
  • Ein Passbild der Zehnjährigen
  • Der Eingang des unterirdischen Verlieses in einem Waldstück bei Schondorf, das mit frisch gepflanzten Bäumen getarnt war
  • Ursula Herrmann aus Eching wurde am 4. Oktober 1981 tot in einer Kiste im Wald gefunden
  • Im Alter von zehn Jahren ist Ursula Herrmann aus Eching entführt worden und qualvoll in einer Kiste erstickt
  • Das Archivbild vom 5. Oktober 1981 zeigt die in einem Waldstück bei Eching am Ammersee (Landkreis Landsberg am Lech) vergrabene Holzkiste, in der die zehnjährige Ursula Herrmann am 4. Oktober 1981 tot aufgefunden wurde

vor

„Ich bin eigentlich ein Menschenkenner“, meint die Putzfrau. Doch warum Werner M. immer sofort in seinen Laden gegangen ist, sobald sie sein Haus, einen flachen Klinkerbau, betreten hatte, war für sie von Anfang an ein Rätsel. Dieser Mann war für sie wie für die meisten im Ort nicht einzuordnen. Weder richtig ordentlich noch unordentlich habe M. in dem Flachbau mit seinem integrierten Geschäft gelebt.

Kein Wort habe der „bullige Bayer“, wie die Leute in Kappeln den Fremden nannten, mit ihr gewechselt. „Jetzt weiß ich auch, warum: Mit so einem Geheimnis würde ich auch vor allem fliehen“, sagt Hansen. Nur zu Weihnachten habe sich M. und seine zweite Ehefrau um eine nette Geste bemüht: Da gab’s neben den 8-Euro-Stundenlohn fürs Putzen noch Süßigkeiten für Hansens Kinder. Jetzt im Nachhinein, ist selbst das bitter für die Putzfrau: Hatten die Ermittler 1981 neben der mit zehn Jahren am Ammersee lebendig begrabenen Ursula Herrmann ebenfalls Schokolade und Kekse gefunden. „Ich will mir gar nicht vorstellen, dass so etwas mit meinem Kind passiert!“

Inzwischen ist M.s Frau Gabriele in das Haus am Hafen zurückgekehrt. Während die nach einem schweren Autounfall (sie war 1983 mit ihrem Kleinwagen am Ammersee mit einem Zug kollidiert) auf den Rollstuhl angewiesene Frau rauchend hinter zugezogenen Gardinen in ihrer Küche sitzt und am Telefon das Unfassbare zu klären versucht, ist die Verhaftung ihres Mannes das Thema in der Hafenkneipe Alte Räucherei: „Wer weiß schon, wer sein Nachbar wirklich ist?“, fragt ein Stammgast in die Runde. Es klingt wie eine Verteidigung des Ortes, der jetzt deutschlandweit bekannt ist.

Ursula Herrmann: Verdächtiger in U-Haft

27 Jahre nach dem Mord an Ursula Herrmann aus Eching am Ammersee, hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen. merkurtz.tv war für Sie vor Ort und hat die neuesten Informationen.

Werner M., den die Leute als Verkäufer nichtrostender Eisenwaren für Skipper nur mit dem Namen „Niro-Werner“ kannten, hatte das Spiel mit der Unauffälligkeit im hohen Norden perfekt beherrscht. „Er hat zwar verkauft, aber nicht geschnackt“, sagt ein Kappelner über den verschlossenen Mann. Wer nichts erzähle, erwecke auch kein Interesse. „Stille Wasser gründen aber tief“, fügt ein anderer hinzu. „Doch müssen es gleich solche Abgründe sein?“ Weil der Bayer den Grantler gab, suchte kaum jemand Kontakt zu M. Dass die Polizei M. mit dem Fund eines alten Tonbandgeräts in seinem Haus auf die Schliche kam, passt ins Bild des süddeutschen Sonderlings: „So blöd muss man doch erstmal sein, ein Beweisstück 27 Jahre lang aufzuheben!“

Nur der Fischrestaurant-Besitzer Nils-Norbert Stark versucht zu seinem Geschäftspartner Werner M. zu halten. Mit dem Spruch „Norberts Sau und Werners Bier, das Feinste auf der Hafenpier“, hatten sie jeden Dienstag um 19 Uhr Spanferkel verkauft.

Die Erklärungsversuche M.s für die erste Hausdurchsuchung im Herbst 2007 hatte Stark noch geglaubt. Doch jetzt wachsen die Zweifel: „Wenn Werner schuldig sein sollte, dann schließe ich die Tür zu unserer gemeinsamen Zeit ab und werfe den Schlüssel in das tiefste Loch.“

Quelle: tz

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