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Brutales Neonazi-Attentat auf Polizeichef

Brutales Neonazi-Attentat auf Polizeichef

Passau - Als es am späten Samstagnachmittag gegen 17.30 Uhr an dem idyllisch gelegenen Reihenhaus in Fürstenzell klingelt, ahnt Alois Mannichl nicht, dass er gleich nur knapp dem Tod entgehen sollte.

Ein Polizeiauto steht am Sonntag vor dem Haus von Polizeidirektor Mannichl in Fürstenzell (Niederbayern). Mannichl ist vermutlich von einem Rechtsextremisten niedergestochen und schwer verletzt worden.

© dpa

Ein Polizeiauto steht am Sonntag vor dem Haus von Polizeidirektor Mannichl in Fürstenzell (Niederbayern). Mannichl ist vermutlich von einem Rechtsextremisten niedergestochen und schwer verletzt worden.

Der Chef der Passauer Polizeidirektion öffnet die Tür, da steht ein Mann: Glatzkopf, massige Gestalt, dunkel gekleidet.

Der Mann beleidigt Mannichl zunächst mit nationalistischen Parolen, dann rammt er ihm ein Messer in den Bauch. Die elf Zentimeter lange Klinge verfehlt das Herz nur knapp. „Das ist eine Sache von zwei Zentimetern gewesen“, wird später Innenminister Joachim Herrmann berichten.

Alois Mannichl kann sich an das Attentat sehr gut erinnern: „Viele Grüße vom Nationalen Widerstand! Du linkes Bullenschwein, du trampelst nimma auf den Gräbern unserer Kameraden herum!“ Auf Bairisch, mit leicht österreichischer Einfärbung, habe ihm der Täter ins Gesicht geschrien – und dann zugestochen. Als der Polizeichef schwer verletzt zu Boden sinkt, hört er aber noch das Geräusch eines wegfahrenden Fahrzeugs – ob der Täter selbst am Steuer sitzt oder ein Komplize, kann er nicht erkennen. Aber den Mann kann der Polizeichef später ganz genau beschreiben.

Alois Mannichls Frau findet ihren Ehemann blutüberströmt auf der Türschwelle liegen. Der Schwerverletzte wird ins Klinikum Passau gebracht. Eine Not-OP rettet sein Leben. Die Ärzte hoffen inzwischen sogar, dass er Weihnachten schon wieder zu Hause feiern kann.

Das Opfer und seine Familie wurden unter Polizeischutz gestellt. Nach dem Täter fahndet die Polizei mit aller Kraft: Eine 20-köpfige Sonderkommission ist im Einsatz. Eine großräumige Ringfahndung ist bereits eingeleitet, Polizeisperren vor allem in Richtung Tschechien sind eingerichtet.

Die Tatwaffe, ein Messer mit elf Zentimeter Klingenlänge, findet die Polizei in der Nähe des Tatorts in einem Garten. Es wird nun beim Landeskriminalamt in München untersucht.

Polizeipräsident Hans Junker aus Regensburg reist noch am Abend nach Passau und besucht Mannichl. Erst gegen 1 Uhr früh verlassen ein Dutzend Angehörige des Patienten, darunter seine Frau und zwei erwachsene Kinder, das Klinikum.

Am Sonntag Vormittag informierten Polizei und Staatsanwaltschaft über Details – sogar Innenminister Joachim Herrmann war dafür angereist, er hatte Mannichl am Krankenbett besucht. „Ich bin froh, dass er einen gesundheitlich stabilen Eindruck macht.“ So eine Straftat habe es in Bayern seit Jahrzehnten nicht gegeben, sagte er. Laut Generalstaatsanwalt Christoph Strötz wird gegen den Täter wegen versuchten Mordes ermittelt.

Die NPD Passau beeilte sich derweil gestern, sich auf ihrer Homepage von dem Anschlag zu distanzieren. „Laut Medienberichten“ werde „ein rechtsradikaler Hintergrund vermutet“, man wolle den Behörden „behilflich sein, den Täter ausfindig zu machen“. Weiß man etwa mehr über das Attentat bei den Rechtsextremen in Passau?

hd

Quelle: tz

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