Isar 1: Landshuter fühlen sich verraten und verkauft

Isar 1: "Verraten und vekauft"

007.09.10|Bayern|27 Kommentare
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Landshut - Für Angela Merkel und ihre Berliner Riege ist die Laufzeitverlängerung für die 17 deutschen Atommeiler der „große Wurf“ – für viele Menschen in der Region Landshut ist sie ein Schlag ins Gesicht.

© dpa

Streitthema: Isar 1.

 Sie hatten gehofft, dass der Reaktor Isar 1 nach über 30 Jahren endlich abgeschaltet wird. Doch der Reaktor wird weiterlaufen – bis 2019 mindestens. Und viele Landshuter fühlen sich nun verraten und verkauft. Es ist nicht so, dass die Landshuter von Haus aus gegen die Kernkraft wären. Ganz im Gegenteil. Man hat sich in den letzten 30 Jahren arrangiert, nicht zuletzte wegen der sprudelnden Gewerbesteuereinnahmen. Und Der Reaktor Isar 2 gilt als modern und sicher. Aber schließlich häuften sich die Pannen beim Reaktor-Oldie Isar 1. Und so sprachen sich schließlich sogar die Landshuter CSU und ihr Oberbürgermeister Hans Rampf (62) für eine Abschaltung des Kraftwerks aus. Sehr zum Ärger der Parteizentrale in München.

Dementsprechend enttäuscht war nun Oberbürgermeister Hans Rampf: „Ich hätte mir gewünscht, dass man einen neuen Weg einschlägt“, sagt er der tz, „dass man zumindest die alten Reaktoren abschaltet. Aber diese Chance ist wohl verpasst.“ Harte Kritik an Ministerpräsident Horst Seehofer übt CSU-Stadtrat Rudolf Schnur: „Der Ministerpäsident hatte versprochen, dass es für jeden Reaktor eine Einzelfallprüfung geben wird. Davon war bei den Verhandlungen keine Rede mehr. Das ist frustrierend. Offensichtlich gilt Geld vor Sicherheit.“

Eine Milllon Euro pro Tag und Kraftwerk Gewinn (!) soll die Laufzeitverlängerung den Energiekonzernen bringen. Schnur bezweifelt auch Seehofers Aussage, dass die Mehrheit in der CSU für längere Laufzeiten der Atomkraftwerke sei. „Und wenn, dann auch nur, weil der Bayernkurier einseitig Propaganda macht.“ Er habe 16 Argumente vorgebracht, die für einen Ausstieg sprächen, kein einziges habe die Parteispitze widerlegt.

Paul Riederer (80) vom Bund Naturschutz in Landshut kämpft seit 40 Jahren gegen Atomkraft. Er fürchtet, dass die Landshuter bis zum „Sankt Nimmerleinstag“ mit Atom zu tun haben werden. „Wissen Sie, damals hat man uns gesagt, dass es spätestens in 30 Jahren ein Atommüll-Endlager geben wird. Jetzt haben wir ein Zwischenlager in Landshut, das für 40 Jahre genehmigt wurde. Da stehen jetzt Castoren, von denen nur jeder so viel radioaktives Material enthält, wie in Tschernobyl freigesetzt wurde. Es ist doch Wahnsinn, dass wir für eine so kurze Zeit der Energiegewinnung, die Generationen der nächsten paar hundert Jahre belasten.“

Aber noch geben viele Landshuter den Kampf um den Ausstieg nicht auf. Monatliche Mahnwachen sind geplant und Demonstrationen: Am 9. Oktober soll es in München eine zehn Kilometer lange Menschenkette geben. Von der E.on-Zentrale bis zur Staatskanzlei. Damit sich auch Seehofer ein Bild vom Widerstand machen kann.

WdP

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